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Klimasünder Gebäude

Von Michael Ortner

Wirtschaft
Die Sanierung von Gebäuden ist eine Herausforderung für den Klimaschutz.
© cameris - stock.adobe.com

Der Gebäudesektor muss viel beitragen, um Emissionen und Energieverbrauch zu senken.


Kohlenstoffdioxid, Methan, Lachgas: Treibhausgase, die schädlich für die Umwelt sind und der Klimaerwärmung Vorschub leisten. Doch nicht nur der Verkehr, die Industrie oder die Landwirtschaft stoßen diese Gase aus. Auch die zweieinhalb Millionen Gebäude in Österreich sind mitverantwortlich für die Emissionen. Der Anteil des Gebäudesektors an der heimischen Luftverschmutzung ist größer, als man vermuten würde. Von den rund 80 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten, die Österreich im Jahr 2019 ausgestoßen hat, entfallen zehn Prozent auf Gebäude. Die Emissionen im Gebäudesektor sind zwar seit 1990 gesunken, doch in den vergangenen Jahren stiegen sie wieder an.

Ölheizungen und Gasthermen sind für den Großteil dieser Emissionen verantwortlich. Dennoch sind sie immer noch weit verbreitet. Rund 16 Prozent aller Österreicher benutzen eine Ölheizung. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren sogar gewachsen. 626.109 Ölheizungen sind nach aktuellen Daten der Statistik Austria noch immer in Betrieb, 6.700 mehr als noch 2013/14. Daneben sorgen rund 900.000 Gasthermen für Raumwärme.

Ölheizung mit Ablaufdatum

Fossil betriebe Geräte haben jedoch ein Ablaufdatum. Denn Österreich will bis 2040 klimaneutral sein. Darum fördert die Regierung etwa den Heizkesseltausch oder die thermische Gebäudesanierung mit 650 Millionen Euro für die Jahre 2021 und 2022. "Wir brauchen einen Umstieg", fordert Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) bei einer Diskussion über klimaneutrales Bauen für die Zukunft.

Leicht wird dieser Umstieg nicht werden. Eine große Herausforderung ist laut Gewessler, wie man mit den bestehenden Gebäuden umgeht. "Die Gebäude, die wir heute bauen, begleiten uns auch 2040." Sie zu dekarbonisieren, sei eine technologische aber auch eine wirtschaftliche Frage.

Nicht zuletzt muss der Umstieg auf saubere Raumwärme auch rechtliche Hürden nehmen. Was bedeutet eine Sanierung für Vermieter, Mieter und Eigentümer? Sanierungsmaßnahmen bei Häusern etwa betreffen oft mehrere Eigentümer. "Ein Einzelner soll nicht die Dekarbonisierung eines Gebäudes blockieren. Aber wir wollen auch nicht die Eigentümer verpflichten, wenn sie diese Herausforderung finanziell nicht stemmen können", sagt Gewessler.

Handlungsbedarf gibt es genug. So liegt die jährliche Sanierungsrate bei etwa 1,4 Prozent. Im Regierungsprogramm wird eine Rate von 3 Prozent angestrebt. Klimaschutzministerin Gewessler zufolge braucht es neben der Zusammenarbeit von Bund und Ländern Regelungen auf europäischer Ebene. Ziel ist, die Gesamtenergieeffizienz bei Gebäuden zu erhöhen und auch bei den Bauordnungen nachzubessern.

Die Architektin und Diplomingenieurin Renate Hammer sieht beim Gebäudebestand unglaubliche Einsparpotenziale. "Nicht das Material entscheidet die Schlacht, sondern die Umstellung auf ein klimaneutrales Energiesystem." Zentral für das Bauen der Zukunft wird deshalb sein, dass Häuser nicht mehr einzeln betrachtet werden, sondern Siedlungen und Städte als Gesamtheit. "Man muss die Siedlung wie einen großen Wärme- bzw. Kühlspeicher betrachten", sagt Hammer. Windkraft und Photovoltaik (PV)-Anlagen liefern Energie, die Wärme entnimmt man dem Boden. Wichtig sind laut der Architektin Baustoffe, die eine Batterielösung übernehmen, also Wärme und Energie speichern können.

Selbstversorgende Gebäude

Neubauten sollten künftig keine CO2-Emissionen mehr produzieren. Das beginnt beim Standort ihrer Errichtung. Sie sollten nur dort entstehen, wo es Anbindungen an den öffentlichen Verkehr oder Fahrradwege gibt.

Die grüne Wiese wird für Neubauten künftig tabu sein. Hammer sagt, dass auf der Ressource Boden gewaltiger Druck herrsche. Denn neben der Lebensmittelproduktion werden künftig auch mehr Flächen für erneuerbare Energie benötigt. "Wir dürfen bei Neubauten unter keinen Umständen in die Fläche gehen."

Um Energie zu sparen, müssen Häuser künftig stärker vernetzt werden. Sie sollen CO2-frei und energieautark werden. Im Idealfall könnten sie sogar Energie liefern. Die Energie aus PV-Anlagen könnte dann neben Strom für das Haus zum Beispiel auch Elektrizität für das E-Auto bereitstellen.