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Klimawandel bekämpfen heißt Wirtschaft stärken

Von Simon Smith

Gastkommentare

Bei der Außenpolitik geht es im Wesentlichen darum, den Bürgern Sicherheit und Wohlstand zu garantieren. Ohne eine effektive Strategie für den Klimawandel ist das unmöglich, da Klimasicherheit untrennbar mit unserer Energie-, Lebensmittel- und Wasserversorgung verbunden ist. Deshalb hat der britische Außenminister William Hague diese Woche vor dem US-Council on Foreign Relations in New York für Klimaschutz geworben: "Dem Klimawandel tatenlos zuzusehen, verstößt gegen die Werte der Vereinten Nationen und Großbritanniens, untergräbt das Vertrauen zwischen Nationen, verschärft den Wettbewerb um Ressourcen und schmälert den politischen Spielraum für die Zusammenarbeit."


Ohne eine wirksame Strategie gegen den Klimawandel kommt es zu einer Bedrohung unserer Sicherheit und einer Schwächung unserer Wirtschaft. Besonders hart wird der Klimawandel die ärmsten und verwundbarsten Länder treffen. "Wir haben eine gemeinsame Vision, die Millenniumsentwicklungsziele zu erreichen", betonte der Außenminister. "In einer Welt ohne wirksamen Klimaschutz wird diese Vision ein Traum bleiben. Die Anstrengungen der letzten zehn Jahre wären umsonst gewesen."

Großbritannien handelt - wir gründen gerade eine "Grüne Investment-Bank", um privates Kapital schnell in den Aufbau einer klimafreundlichen Infrastruktur einbinden zu können. Außerdem gestalten wir unser Stromversorgungsnetz radikal um und drängen die EU dazu, ihre Emissionen bis 2020 um 30 Prozent zu senken. Wir denken, dieser Weg ist richtig und in unser aller Interesse. Der Wert des globalen Markts für klimafreundliche Produkte und Dienstleistungen wird schon jetzt auf 3,8 Billionen Euro jährlich geschätzt.

Unternehmen aus Europa haben derzeit einen Weltmarktanteil von 22 Prozent im Bereich der kohlenstoffarmen Güter und Dienstleistungen, aber der Rest der Welt holt auf. Unsere energieintensiven Sektoren sind bedroht durch einen Nachfrageeinbruch auf den europäischen Bau- und Infrastrukturmärkten.

Um diesbezügliche Nachfrage anzukurbeln, sind Investitionsanreize in eine Niedrigemissionsinfrastruktur notwendig. Der Schritt zu einem 30-Prozent-Ziel würde im Vergleich zu dem jetzigen 20-Prozent-Ziel mindestens zu einer Verdopplung des Volumens der kohlenstoffarmen Märkte führen. Ein großer Teil dieses Wachstums würde in Bereichen mit vielen Arbeitsplätzen, wie dem Energiesparsektor, stattfinden.

Eine wirksame Strategie kann jedoch nicht im Alleingang entwickelt werden. Deshalb fordern wir ein globales Klimaschutzabkommen unter dem Dach der UNO. Deshalb rufen wir unsere Partner in der EU auf, sich den Herausforderungen des Klimaschutzes zu stellen. Deshalb appellieren wir an alle Länder - an Industrie- und an Entwicklungsländer -, aktiv Maßnahmen zu ergreifen.

Simon Smith ist Botschafter von Großbritannien in Wien.