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Klingelnde Kassen bei Glücksspielfirmen

Von Konstanze Walther aus Großbritannien

Wirtschaft

Glücksspielmesse zeigt, dass es für die Branche bergauf geht. | Novomatic mit neuem Umsatzrekord. | London. Es schepperte wieder gewaltig auf der "International Casino Exhibition", der inzwischen größten Glücksspielmesse der Welt, die am Donnerstag in London zu Ende gegangen ist. Alle paar Meter erklären Automatenhersteller aus aller Welt ihre flackernden Apparate den Casinobetreibern, dazwischen stehen Stände von Anwaltskanzleien, die ihr Know-how für etwaige Markteintritte anbieten. Im hinteren Viertel des Messegeländes thront unangefochten die niederösterreichische Novomatic mit ihren Auslandstöchtern.


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Der Glücksspielkonzern mit Sitz in Gumpoldskirchen gehört weltweit zu den Riesen der Branche: Er entwickelt nicht nur Automaten, verpachtet oder verkauft sie, sondern betreibt auch Casinos in jenen Ländern, die es via Lizenz erlauben. Und Novomatic scheint die Stellung weiter auszubauen. Nachdem der Umsatz 2009 krisenbedingt eingebrochen ist, deutet alles daraufhin, dass sich die Branche wieder im Aufschwung befindet. Novomatic selbst hat im Geschäftsjahr 2010 einen neuen Rekord erzielt. "Mit einem addierten Umsatz von 2,7 Milliarden Euro werden wir die Marke aus dem Rekordjahr 2008 (mit 2,5 Milliarden Euro) klar übertreffen", so Novomatic-Generaldirektor Franz Wohlfahrt am Rande der Messe. Über das genaue Ergebnis wolle er aus börserechtlichen Gründen noch nichts sagen, allerdings werde dieses nicht an den Spitzenwert von 2008 herankommen.

Aus für Casinos-Monopol bei Video-Lotterie?

Das sei aber vor allem den Investitionen geschuldet, die die Novomatic 2010 mit dem Markteintritt in Italien getätigt hat. Im Bereich der Video-Lotterie-Terminals sei man dort nun absolute Nummer 1 - mit neun von zehn der italienischen Konzessionäre habe man Verträge abgeschlossen. Ausbaupotenzial ortet Wohlfahrt nicht zuletzt in Griechenland, wo gerade eine Marktöffnung für Video-Lotterie-Terminals diskutiert wird. Ob die Novomatic ihre Video-Lotterie-Terminals auch in Österreich anbieten kann, hängt von der Ausgestaltung der österreichischen Lotterie-Lizenz ab, die im Laufe des Jahres ausgeschrieben werden muss. Sowie davon, ob die klassische Lotterie von der Video-Lotterie getrennt wird.

Video-Lotterie gilt als Zwitterwesen. Mit freiem Auge ist ein Video-Lotterie-Terminal nicht von einem normalen Glücksspielautomaten zu unterscheiden, bei der Video-Lotterie speisen sich die Ergebnisse und Kommandos allerdings von einem zentralen Server. Diese Technik ist in Ende der 90er Jahren in den USA aufgekommen, der damalige Casinos-Austria-Chef Leo Wallner habe daraufhin im österreichischen Finanzministerium erwirkt, dass diese Spiel-Technik als Lotto zu bewerten sei. "Das war der Einser-Schmäh vom Leo Wallner", sagt Franz Wohlfahrt und es klingt sportlich-anerkennend. Denn damit war der Betrieb der Video-Lotterie-Terminals bis heute in der Monopol-Hand der Casinos Austria.

Wie berichtet, werden neben der Lotto-Lizenz auch demnächst zumindest acht der angekündigten 15 Spielbankenlizenzen ausgeschrieben, der erste offizielle Schritt - die Richtlinien für die Vergabe - erfolgt wahrscheinlich im Frühjahr oder Anfang Sommer, die Branche sitzt inzwischen auf Nadeln. Wohlfahrt hat schon mehrmals Interesse an den Lizenzen bekundet, wenn die Standorte adäquat seien. "Ein guter Standort kann 500 Arbeitsplätze zum Gegenstand haben", erinnert Wohlfahrt die Politik und betont, dass die Novomatic 1300 neue Jobs 2010 geschaffen hat und in Österreich 2750 Mitarbeiter beschäftigt.