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KLM: Sparkurs und Partnersuche

Von Peter Kantor, Amsterdam

Wirtschaft

Von einem Ende der Krise ist die internationale Luftfahrt noch weit entfernt. Trotz einer Stabilisierung der Verkehrszahlen werden die Prognosen für eine Trendumkehr Quartal für Quartal revidiert, die meisten Fluglinien schreiben nach wie vor rote Zahlen und erwarten eine Erholung frühestens 2004. Stellvertretend für die Branche sprach Leo van Wijk, Vorstandschef der weltweit viertgrößten europäischen Flug- | linie KLM, mit der "Wiener Zeitung" in Amsterdam über Sparpläne, Low-cost-Carrier Fusionen und Allianzen.


"An Nettoverlusten werden wir auch heuer nicht herumkommen", erklärt Leo van Wijk. Der 11. September 2001, der Irak-Krieg und SARS wirken noch nach und auch KLM sei von der anhaltenden Krise betroffen, so van Wijk am Rande des Kongresses der EBTA European Business Travel Association) in Amsterdam zur "Wiener Zeitung".

Die Luftfahrtindustrie habe in nur kurzer Zeit rund 20 Mrd. US-Dollar an Verlusten angesammelt und ihre Kapazitäten stark zurücknehmen müssen. "Mehr als 700 der 12.000 Flugzeuge der internationalen Linien wurden aus den Flugprogrammen herausgenommen und immer noch gibt es Überkapazitäten", konstatiert van Wijk. Die Krise zeige schonungslos die strukturellen Schwächen der Branche. Angesichts der Monopole bzw. Oligopole von Flugzeugherstellern, Flughäfen und Caterern seien die Fluglinien grundsätzlich in einer schwierigen Position. Dazu komme die zunehmende Konkurrenz der Low-Cost-Carrier, niedrige Ticket- Preise und die sehr unterschiedlichen regionalen und nationalen Gesetze, die die Arbeit von international agierenden Fluglinien erheblich erschwere (van Wijk: "Wir wünschen uns ein weltweit gültiges Regelwerk für die Luftfahrt"). Zuletzt kämpfen die traditionellen Network-Carrier auch mit der Reduzierung der Flugzeiten, mit steigenden Sicherheits- und Umweltkosten, nicht zu vergessen die Erfindung immer neuer Steuern.

Den "Breakeven" erwartet der KLM-CEO frühestens für 2004. Bis dahin müsse noch viel geschehen, neben einem Konjunkturaufschwung auch vom Unternehmen selbst ausgehend. So werde bei Landegebühren neu verhandelt und auch der Stellenabbau laufe weiter. Die Zahl der KLM Mitarbeitern wurde bereits um 1.200 gesenkt, angepeilt werde ein Minus von 4.500 (ausgehend von ursprünglich 34.000), erklärte van Wijk. Da Europa von Unterstützungen wie in den USA nur träumen könne (die US-Regierung "spendete" rund 5 Mrd. US-Dollar für ihre nationalen Fluglinien), seien viele Fluglinien am Kontinent in ihrer Existenz bedroht. Dringend benötigtes Kapital könne nur von privaten Investoren kommen. "Mit einer EBIT-Rate von 8-9% liegen wir aber weit unter einem für Anleger interessanten Wert", befürchtet van Wijk.

Zur Konkurrenz der Low-cost-Carrier meinte van Wijk, diese bieten nicht die gleiche Servicequalität, werden aber aufgrund ihrer niedrigen Preise dennoch weiter wachsen. Vor allem im Segment Freizeit-Reisen sei der Preis ausschlaggebend, dazu komme, dass auch Geschäftsreisende immer weniger zu zahlen bereit seien. Anders verhalte sich die Situation bei Interkontinentalflügen. "In diesem Segment erwarten die Kunden unverändert Full Service an Bord", ist van Wijk überzeugt. KLM habe in beiden Segmenten spezielle Angebote vorgelegt, so etwa die seit Juni 2003 angebotenen "KLM Europe Select Flys" für Geschäftsreisende oder das "Flying Dutchman"-Programm.

Transparente Preisgestaltung

Im Wettbewerb mit den Niedrigpreisanbietern will KLM seine Preisgestaltung transparenter machen und den Kunden deutlicher als bisher den "added value" aufzeigen, den er bei KLM nutzen kann. An einer Zusammenarbeit mit den Reisebüros wird festgehalten, dazu kommt ein verstärktes Engagement im Internet - heute erfolgen 10% des Umsatzes über dieses Medium, 2007 sollen es 40% sein -, E-Tickets und die Aufstockung der elektronischen Checkpoints.

Punkto Zusammenschlüsse kritisierte van Wijk die restriktive Haltung der EU, schließlich zwinge die anhaltende Krise die Fluglinien zu Fusionen und Partnerschaften. Während in den USA sogar marktbeherrschende Fluglinien wie Delta und Northwest zusammengehen, lehne die EU-Kommission sogar den Kauf der restlichen 50% der kleinen Martinair durch KLM ab. KLM führt derzeit Gespräche über mögliche Kooperationen mit der Air France und einen Beitritt zum Luftfahrt-Bündnis SkyTeam.