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Klo am Gang ist passé

Von Bernd Vasari

Politik

Kaum noch Substandardwohnungen nach Sanierungsoffensive der Stadt. Sozialer Effekt jedoch nur kurzfristig.


Wien. Wasser und Klo am Gang, keine Zentralheizung. 35 Prozent aller Wiener Wohnungen wiesen im Jahr 1971 diesen Substandard (Kategorie D) auf. Im 15. Bezirk waren es damals sogar 60 Prozent der Wohnungen, die unter diese Kategorie fielen. Heute sind es wienweit nur noch ein Prozent (11.000 Wohnungen).

Die Bezirke mit dem höchsten Anteil an Substandard sind die Gebiete des Westgürtels 15 bis 17. Der Anteil der Wohnungen ohne Klo liegt bei unter drei Prozent. Für Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) eine erfolgreiche Bilanz, die er auf die jahrzehntelangen Sanierungsunterstützungen durch die Stadt Wien zurückführt. Auch in Zukunft wolle die Stadt Wohnungen sanieren, sagt Ludwig.

Im Jahr 2016 werden dafür 181 Millionen Euro investiert. Vor allem in sogenannte Blocksanierungen, die derzeit in 11 Grätzeln im 3., 10., 15., 16., 17. und 21. Bezirk durchgeführt werden. Im Fokus stehen dabei strukturschwache Gebiete, die etwa mit Verkehrsberuhigungen, Baumpflanzungen oder Parkumgestaltungen aufgewertet werden.

Nach 15 Jahren am freien Markt

Die Stadt wendet sich dabei ebenso an Liegenschaftseigentümer, um sie für eine Sanierung zu gewinnen. 30 Prozent des Sanierungsbetrags werden für eine thermische Sanierung der Gebäudehülle ausgeschüttet, für eine Sockelsanierung des Hauses sind es zwei Drittel, die von der Stadt abgedeckt werden.

Der soziale Effekt ist jedoch nur von beschränkter Dauer. Zwar müssen die Eigentümer ihre geförderten Wohnungen für 15 Jahre zu niedrigeren Mieten vergeben. Danach können sie die Wohnungen aber am freien Markt anbieten und ein Vielfaches mehr verlangen. Sozial schwächere Mieter müssen sich dann ein neues Grätzel suchen.