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Kloster-Boom und Ordenssterben

Von Judith Belfkih

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Heilfasten in der spartanischen Zelle, eine Auszeit von medialer Reizüberflutung im Klostergarten, Wandeln durch mittelalterliche Kreuzgänge, die Reduktion auf das Wesentliche, Stille, Kontemplation. Klöster liegen im Trend der Konsumgesellschaft. Kloster-Urlaube boomen, das Geschäft mit dem ruhevollen Nichts gedeiht. Die Sehnsucht nach einem Fluchtpunkt, einer Oase der Stille ist stärker denn je. Kein Wunder, unsere Welt war auch nie lauter.

Der Magnetismus Kloster funktioniert jedoch nur auf Zeit. Denn für ein Leben in dieser von vielen Freuden des Weltlichen abgeschirmten Abgeschiedenheit wollen sich immer weniger Menschen entscheiden.

Die aktuellen Zahlen belegen, dass die Ordensfrau und der Ordensmann vom Aussterben bedrohte Spezies sind. Sie werden weniger und älter, die Todesfälle übersteigen die Neuzugänge. Meist um ein Vielfaches. Österreichs 87 männliche Ordensgemeinschaften beheimaten 1696 Ordensmänner, 1305 davon sind Priester. Knapp die Hälfte von ihnen ist älter als 65. Bei den 3643 Ordensfrauen, die in 105 Gemeinschaften leben, sind gar 55 Prozent älter als 75 und nur 4 Prozent unter 40. Einige Orden stehen vor der Schließung, können den Erhalt der Gebäude und die pflegebedürftigen älteren Schwestern längst nicht mehr selbst betreuen. Von Ruhe suchenden Konsum- und Medien-Junkies ganz zu schweigen.

Die Brüder und Schwester nehmen es gelassen. Das "lange Lineal der Geschichte" habe gezeigt, dass es in allen Bereichen Schwankungen gegeben habe. Auch bei den Orden. Wer in Ewigkeiten denkt, den bringt nichts aus der Ruhe.