Zum Hauptinhalt springen

KMU sind Betriebsrenten-Muffel

Von Stefan Melichar

Wirtschaft
Ein ruhiger Lebensabend will finanziert sein - die Demografie nagt an den Staatsfinanzen.
© photocase

Kassen peilen bis 2020 Marktdurchdringung von 80 Prozent an. | Branchenobmann warnt vor ideologischer Debatte. | Wien. Die heimischen Pensionskassen stecken sich hohe Ziele für die kommenden Jahre. Bis 2020 wolle man eine "Durchdringung" von 80 Prozent erreichen, so Branchenobmann Andreas Zakostelsky. Derzeit haben in Österreich gerade einmal etwas mehr als 30 Prozent der Beschäftigten Anspruch auf eine zusätzliche Betriebsrente, wobei rund zwei Drittel dieser Ansprüche von Pensionskassen verwaltet werden. Besondere Muffel in Sachen Firmenpensionen sind Klein- und Mittelunternehmen (KMU) mit bis zu 49 Mitarbeitern.


Hier will Zakostelsky nun verstärkt einhaken: Vielen KMU sei die Möglichkeit einer Pensionskassenlösung gar nicht bekannt, meint der Obmann des Fachverbands der Pensionskassen in der Wirtschaftskammer Österreich. Dabei könnten die Firmen jene Beiträge, die sie für ihre Mitarbeiter an die Kassen abliefern, als Betriebsausgabe steuerlich geltend machen. Sie würden ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern, was im Wettbewerb um höher qualifizierte Facharbeiter eine wichtige Rolle spiele. Doch nicht nur im Bereich der Neukunden hofft Zakostelsky auf einen Wachstumsschub für seine Branche.

"Verbreiterung notwendig"

Auch bei laufenden Verträgen wäre es "mittelfristig wünschenswert", dass die Beiträge nach oben gehen. Derzeit zahlen Firmen üblicherweise 1 bis 3 Prozent der Bruttolohnsumme ein. Zakostelsky hält drei bis fünf Prozent für "durchaus sinnvoll". In Österreich kommen 91 Prozent der Pensionszahlungen von staatlicher Seite, 5 Prozent aus der Eigenvorsorge und 4 Prozent aus Betriebsrenten. Angesichts steigender Staatsschulden und der Alterung der Bevölkerung sei eine "Verbreiterung" bei den Firmenpensionen notwendig, so der Branchenobmann.

Dabei hat das Image der Pensionskassen in der Finanzkrise - und teilweise auch zuvor - enorm gelitten. 2008 betrug das Veranlagungsergebnis der Gesamtbranche minus 12,9 Prozent - heftige Pensionskürzungen für viele Zusatzrentner waren die Folge.

Mageres zweites Quartal

Im Vorjahr konnte - dank wieder günstigerer Märkte - ein kräftiges Performance-Plus von 9 Prozent erzielt werden. Heuer hält man zur Jahreshälfte bei 2,39 Prozent, wobei das zweite Quartal wegen der europäischen Staatsschuldenkrise leicht negativ verlaufen ist. Eine Prognose für das Gesamtjahr hält Zakostelsky derzeit für unseriös. Auch zu den - vor eineinhalb Jahren gestarteten - Reformbestrebungen will der Branchenobmann angesichts laufender Gespräche nichts sagen. Grundsätzlich warnt Zakostelsky jedoch davor, das Thema nur ideologisch zu diskutieren. Vor allem Arbeiternehmervertreter haben zuletzt heftige Kritik an den Kassen geübt. An Sachzwängen - wie der Alterung der Bevölkerung - werde man aber nicht vorbeikommen, meint der Chef des Fachverbands. Derzeit gibt es rund 65.000 Bezieher von Pensionskassen-Renten, etwa 700.000 aktive Arbeitnehmer sind Anwärter darauf. Die 17 heimischen Kassen verwalten rund 14,2 Milliarden Euro.

Unter der Krise haben jedoch nicht nur die Firmenpensionen, sondern auch private Vorsorgeprodukte gelitten. Da bei der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge der Erhalt des eingezahlten Kapitals garantiert ist, haben einige Anbieter die Reißleine gezogen und den - besonders volatilen - Aktienanteil in der Veranlagung permanent auf null gesetzt. Von der späteren Markterholung konnten betroffene Kunden dann nicht mehr profitieren. Nun bereitet der Verein für Konsumenteninformation einen Musterprozess vor.