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Kochen für den Weltfrieden

Von Toumaj Khakpour

Politik
© Toumaj Khakpour

Im neu erschienen Kochbuch "Exotic Kitchen" werden 23 Länderküchen von vier Kontinenten präsentiert.


Wien. "Beim Essen kommen die Leut zam", so lautet ein geläufiger Satz, den man zur österreichischen Genusskultur dazurechnen kann. Nach diesem Credo haben sich nun auch Menschen gefunden, die ebenfalls eines verbindet: die exotische Küche. Was man darunter versteht, ist von Fall zu Fall verschieden und kann nicht eindeutig festgelegt werden: Das Kochbuch "Exotic Kitchen", mit dem Nachsatz "the perfect reason to cook", macht den ersten Versuch und fasst die Gastronomie verschiedener Länder zusammen, darunter Länder wie Indien, Indonesien, Thailand, Nigeria, Kenia Mexiko und Kolumbien.

In einem Kochstudio in der Girardigasse im 6. Bezirk konnte man diese Länder- und Genussvielfalt zum Anlass der Buchvorstellung von "Exotic Kitchen" einfangen: "Es sind Menschen, die hier als Köche arbeiten, hinter deren Gerichten eine ganz persönliche Geschichte steht", eröffnet Beatrice Achaleke, Herausgeberin des Buches, die kulinarisch-kulturelle Zusammenkunft.

Gewürze für die Verdauung

Da ist zum Beispiel Amita Lugger, die an diesem Tag indisch kocht. "Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen in Indien beim Essen oft beisammen sind", erklärt sie, während sie eine "Pakoras" zubereitet, jene indische Beilagen-Spezialität, bei der frisches Gemüse in einem Teigmantel frittiert wird. Vor allem das Abendessen sei ein gesellschaftliches Ereignis mit Unterhaltungsfaktor, führt Lugger fort. Im Kreise der Familie werde über Beruf und die Geschehnisse des Tages gesprochen. Die indische Küche umfasst viele verschiedene regionale Gerichte und Kochstile. Als Inbegriff dieser Küche gelten die Vielfalt der Gewürze des Landes und das Verwenden von scharfen Soßen. Für Amita Lugger, die ursprünglich aus Nordindien stammt, darf beim Kochen "Asafoetida", ein sehr aromatisches Gewürz, nicht fehlen, es soll auch die Verdauung anregen, erklärt sie.

Die Idee, ein Buch zu verschiedenen internationalen Rezepten zu schreiben, hatte Prince Pallikunnel, CEO und Gründer des Unternehmens "Prosi", welches neben exotischen Lebensmitteln auch Kochkurse, einen Schnellimbiss sowie einen Beauty-Salon anbietet. Aber nicht nur: "Wir veranstalten kulturelle Events und helfen bei kleinen Sozialprojekten, aber auch größeren Hilfsprojekten", zählt der Geschäftsführer auf. Das Familienunternehmen liegt unübersehbar groß im 7. Bezirk und kann auf einen guten Namen zurückgreifen.

Bei einem längeren Interview-Treffen mit der Diversity-Managerin Beatrice Achaleke war die Idee, ein gemeinsames Kochbuch zu entwerfen, geboren - die Kooperation konnte beginnen. "Wir wollten diese Vielfalt, die auch im Geschäft zu sehen ist, mit in das Buch hineinnehmen und darstellen, welche interessanten Anekdoten beim Kochen entstehen können", schildert Achaleke den Entstehungsgedanken zum Buch. Einziges Auswahlkriterium: so bunt wie möglich. Daraus sind 23 Länderküchen aus vier Kontinenten geworden.

Das Spiegelbild von Wien

"Wir essen in der Regel mit unseren Händen und nicht mit Besteck", erzählt Helen, Köchin mit äthiopischen Wurzeln, die am Kochtisch gegenüber "Kurbis-Wot" zubereitet. "Wot" ist eine äthiopische Soßen-Spezialität, die von vielen Äthiopiern gleich welchen Glaubensbekenntnisses und Herkunft geschätzt wird. Die Soße wird in verschiedenen vegetarischen und fleischhaltigen Ausführungen zubereitet. Die äthiopische Küche unterscheidet sich stark von den Essgewohnheiten sowohl des übrigen Subsahara-Afrika als auch des orientalischen Raums.

Für Achaleke, die den Großteil ihrer beruflichen Zeit mit dem Leiten von Seminaren verbringt, war dieses Treffen etwas ganz Anderes: Hier trifft man auf keine Manager, es sind ganz normale Personen, es wird auch nicht über den Migrationshintergrund oder Integration gesprochen", freut sich die Autorin. Gemeinsam Kochen, ein unbefangenes Thema abseits von Politik und trotzdem ist es "Vielfalt pur", sagt Achaleke. Einfach so. "Diese Koch-Session und vor allem auch das Buch ist ein Spiegelbild von Wien", fügt sie noch hinzu. Dieses Bild konnte man beim "Live-Cooking" beobachten. Die Zuschauer hatten viel Interesse an den Zutaten und den Personen dahinter.

Essen, das den Körper schützt

Für die Tibeterin Yangzum bedeutet das gemeinsame Kochen nicht nur Spaß, sondern auch von den anderen Kollegen zu lernen. Für sie ist Chili das Gewürz, das in der tibetischen Küche nicht fehlen darf: "Warmes Essen hält uns warm und durch die scharfen Gewürze wird der Körper revitalisiert", erklärt sie.

Tibet gehört zu der höchstgelegenen Region der Erde, da sei es wichtig, ein Essen anzurichten, das den Körper auch schützt.
Kulinarische Gemeinsamkeiten teilt sich das Land mit Nepal und Bhutan. In Österreich isst Yangzum gerne Kartoffelsalat, Palatschinken, aber auch Wiener Schnitzel.

Als der Ideengeber des Buchs Prince Pallikunnel seinen kleinen Supermarkt namens "Prosi" im Jahr 1999 gründete, konnte er sich noch nicht ausmalen, welche Ausmaße das Ganze nehmen würde. Heute ist der Ort, an dem exotische Lebensmittel verkauft werden, zu einem der größten Lebensmittelgeschäfte Österreichs geworden. Laut eigenen Angaben werden hier etwa 6000 Sorten von Produkten verkauft.

"Diese Kochsession zeigt, welch Vielfalt zu Tisch gebracht werden kann, wir konnten die Rezepte, die wir in unseren Kochkursen anboten ja nicht in der Schublade verschwinden lassen", sagt er zum Abschluss des Treffens freundlich. Den Beteiligten schien es jedenfalls zu schmecken.