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Kodak schließt Großlabor in Wien

Von Monika Jonasch

Wirtschaft

Der Siegeszug der Digitalfotografie fordert nun auch in Österreich ein erstes Opfer. So sieht sich der Fotokonzern Kodak gezwungen, sein Großlabor in Wien-Auhof mit 31. Juli zu schließen. Für die betroffenen 175 Mitarbeiter wurde ein Sozialplan entwickelt. Die Fotoausarbeitung für Kodak in Österreich übernimmt künftig die Salzburger Firma Color Drack in Lizenz.


"Das ist eine negative Botschaft, und es gibt daran nichts zu beschönigen", sagte Kodak-Österreichchef Christian Wimmer am Mittwoch vor Journalisten in Wien. Der Markt für traditionelle Fotografie sei schneller eingebrochen als erwartet.

Seit Jahresanfang ging das Geschäft mit der Fotoentwicklung um 25% zurück. Bei klassischen Film- und Fotokameras brach der Markt gleichzeitig sogar um 35% ein. "Der Trend geht in Richtung Digitalfotografie und digitale Fotos werden weniger häufig entwickelt", erläuterte Wimmer.

Nach der Schließung des Großlabors in Auhof rechnet er in Österreich heuer mit einem Umsatzeinbruch um 15 bis 20 Mill. Euro. Ab Sommer wird Kodak in Österreich nur mehr als reine Marketing- und Vertriebsgesellschaft mit etwa 70 Mitarbeitern fungieren.

Für die 175 Mitarbeiter aus Auhof, die ab August arbeitslos werden, wird derzeit an einem Sozialplan im Ausmaß von etwa 3 bis 3,5 Mill. Euro gearbeitet. So schmerzlich der Verlust der Arbeitsplätze sei, Kodak sei durch die frühzeitig getroffene Entscheidung wirtschaftlich besser gerüstet, um den Mitarbeitern helfen zu können, so Wimmer: "Die Abfertigungen werden doppelt so hoch sein, wie gesetzlich vorgegeben."

Digitalfotos verändern Markt

Vom Umbruch im Fotomarkt ist jedoch nicht nur Kodak in Österreich betroffen. In Deutschland hatte der Konzern bereits Ende 2003 zehn Fotolabors an die Mannheimer BHG Color Print Gruppe verkauft. Im Jänner 2004 wurde dann die Schließung von sechs Standorten beschlossen, 850 Mitarbeitern waren davon betroffen.

Ebenfalls im Jänner kündigte der Konzern an, weltweit innerhalb der nächsten drei Jahre etwa 12.000 bis 15.000 Stellen oder 20% der Belegschaft abbauen zu wollen. Man werde sich stärker auf digitale Fotografie konzentrieren, hatte Konzernchef Daniel Carp dazu bemerkt.

Diese Rechnung scheint langsam aufzugehen, hat Kodak doch im ersten Quartal 2004 ein Umsatzplus von 11% mit Digitalprodukten - und der Hilfe des schwachen Dollars - erwirtschaftet. Der Umsatz im Digitalbereich hat um 44% zugelegt.

Auch in Österreich will sich Kodak künftig auf digitale Produkte konzentrieren. Im Zuge dessen setzt das Unternehmen verstärkt auf sogenannte Fotokioske — Apparate, in denen digitale Fotos sofort entwickelt werden. Etwa 400 von ihnen sollen österreichweit aufgestellt werden. "Das Konsumentenverhalten hat sich verändert. Die Menschen wollen ihre Fotos sofort sehen. Da muss auch die Ausarbeitung schneller werden und überall, auch auf Flugplätzen oder in Hotels, möglich sein", erläuterte Wimmer dazu. Auch das Ausdrucken digitaler Fotos zu Hause müsse leichter werden, so Wimmer. Hier solle das Konzept "Easy Share" den Markt aufbereiten.