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"Kombination" der Ölkonzerne

Von Harald Waiglein

Wirtschaft

Fusion nur, wenn MOL-Management zustimmt. | ÖIAG soll auf jeden Fall Kernaktionär der OMV bleiben. | Wien. "Was wir anbieten, ist eine Kombination der beiden Unternehmen, keine Übernahme", sagt OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer, sichtlich bemüht, keine Irritationen in Ungarn auszulösen. Ein offizielles Angebot für eine MOL-Übernahme werde die OMV nur abgeben, wenn das das MOL-Management empfehle, also "nur freundlich", wie Ruttenstorfer betont. Er hofft nun, in weiteren Gesprächen Vorstand und Aktionäre der MOL von der Sinnhaftigkeit einer Zusammenarbeit zu überzeugen.


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Seit die OMV ihren Anteil am ungarischen Ölkonzern MOL auf 18,6 Prozent aufgestockt hat, ist in Ungarn ein Sturm der Entrüstung losgebrochen. Der MOL-Vorstand spricht von einem feindlichen Akt und versucht, mittels Aktienrückkauf eine Übernahme durch die OMV zu blockieren. Die ungarische Regierung denkt sogar laut darüber nach, eine Fusion zwischen OMV und MOL per Gesetz zu verhindern.

Das MOL-Mananagement führt ins Treffen, dass eine Fusion keine Synergien brächte, dass die MOL im Alleingang mehr Wert für ihre Aktionäre schaffen könnte und dass bei der OMV nach wie vor der Staat maßgeblich beteiligt sei (die Staatsholding ÖIAG hält 31,5 Prozent, Anm.), während die MOL mittlerweile gänzlich privatisiert sei.

Hohe Synergien

Ruttenstorfer kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. Er sieht Synergien von drei bis vier Milliarden Euro bei einem Zusammengehen.

Was den Staatsanteil betrifft, verweist die OMV darauf, dass ein solcher in der europäischen Energiebranche üblich sei. "Die österreichischen Kernaktionäre haben sich bewährt. Hier ist keine Änderung vorgesehen", so Ruttenstorfer - auch wenn man derzeit viele Möglichkeiten einer Kombination mit der MOL untersuche.

Seitens der EU-Wettbewerbsbehörden rechnet Ruttenstorfer bei einem Zusammenschluss nicht mit Problemen. Es gebe allenfalls ein paar "Überlappungen" im Tankstellensektor und bei den Raffinerien.

Im Raffinerie-Bereich sei die MOL profitabler als die OMV, gesteht Ruttenstorfer zu. Die Ungarn hätten, anders als Österreich, einen günstigen Pipeline-Anschluss an Russland. In allen anderen Bereichen - etwa bei der Förderung oder den Reserven - sei die OMV besser.

Ausgeschlossen ist laut Ruttenstorfer, dass die OMV ihren MOL-Anteil wieder verkauft, wenn die Gespräche mit dem Management ergebnislos verlaufen. Die Zeit arbeite aufgrund des Konsolidierungsdrucks in Europa für die OMV.