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Kommentar

Von Petra Medek

Wirtschaft

Studien wollen vereinfachen, indem sie Ausschnitte der Realität abbilden. Dabei können jedoch auch Zerrbilder entstehen. Jüngster Fall: Österreichs Führungskräfte, über deren Gehalt gerade widersprüchliche Erhebungen kursieren.

Zunächst sorgte die Arbeiterkammer-Berechnung für Aufregung, wonach ein Vorstand eines ATX-Unternehmens 2004 im Schnitt die satte Summe von brutto 710.991 verdiente. Wenige Wochen später betonte das Wirtschaftsforum der Führungskräfte, dass Manager der ersten Führungsebene im Schnitt nur 155.000 Euro verdienten. Das wären um 8% weniger als im Jahr davor. Nicht gesunken, sondern gestiegen seien die Gehälter, meint dagegen die Managementberatung Kienbaum. Heimische Führungskräfte durften demnach 2004 mit 217.600 Euro Grundgehalt - variable Bestandteile miteinberechnet - nach Hause gehen.

Was bleibt, ist Verwirrung. Die Entlohnung unserer Spitzenkräfte scheint noch nebuloser als bisher - und damit für alle Durchschnittsverdiener noch entrückter.

Dass die Führung eines Betriebes diffizil ist, bleibt unbestritten. Und es ist plausibel, dass die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, entsprechend honoriert werden sollte, wie kürzlich Christian Domany sagte.

Gerade deshalb ist es für die Öffentlichkeit interessant, wie hoch das "Schmerzensgeld" dafür ist. Würden auch die heimischen Führungskräfte ihre Gehälter offenlegen, wäre die Diskussion mit einem Schlag vom Tisch. Dies würde für Transparenz sorgen - und die Mitarbeiter all dieser Chefs nicht mit Spekulationen aus wenig aussagekräftigen Studien im Regen stehen lassen.