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Kommentar: Oscar verkennt die Zeichen der Zeit

Von Matthias Greuling

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Ein Oscar-Abend der Peinlichkeiten: Ein überfordertes, farb- und witzloses Gastgeber-Duo, die langweiligste Show seit zehn Jahren und die vorhersehbare Auszeichnung von Konsens-Filmen, anstatt Mut zu riskantem Kino. Dazu eine weltfremde Sicht - bei der 83. Oscar-Verleihung gab es keine Worte zum Zustand der Welt, zu Nordafrika oder zu sozialen Missständen in den USA.

Dabei war zuvor die Show häufig als Bühne für Brandreden genutzt worden, etwa von Sean Penn oder Michael Moore.

Heuer schwelgte man hingegen in Nostalgie. Dazu gehörte auch der Auftritt von Kirk Douglas - immerhin das Beste an diesem Abend. In einem Jahr, in dem die Oscar-Academy die Show für eine jüngere Zielgruppe aufputzen wollte, ließ man Legenden sprechen, lebende oder verblichene vom Band. Irgendwie wurden die Zuschauer das Gefühl nicht los, die Altherren-Runde der Academy (Durchschnittsalter: jenseits der 50) lebt nur mehr von ihrer eigenen Geschichte. Dazu passt auch die Wahl von "The Kings Speech" zum besten Film: Dieser gute, aber altmodische Film gehört trotz seines britischen Independent-Ursprungs in seiner Machart längst zum Kreise des biederen Hollywood-Establishments.

Und dann noch das: Der seit langem politisch schwer angeschlagene US-Präsident Barack Obama durfte in einer Zuspielung seinen liebsten Filmsong nennen: "As Time Goes By" aus "Casablanca". Vielleicht die einzige (selbstreflexive) politische Botschaft.