Zum Hauptinhalt springen

Kompetenz statt Konkurrenz

Von Barbara Ottawa

Wirtschaft
Radverkehr in Wien nimmt zu - damit auch die Zahl der Firmen rund ums Rad.
© Felix Beyer/Rosinak&Partner

Betriebe der Plattform "Radkompetenz" tragen österreichisches Rad-Know-how in die Welt hinaus.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 8 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Wien. In Dänemark und den Niederlanden nennen sich ähnliche Zusammenschlüsse "Rad-Botschaften". In Österreich haben sich diverse Unternehmen rund um das Thema Fahrradfahren unter der Bezeichnung "Radkompetenz" zusammengefunden und warten auf neue Mitglieder.

Die Palette reicht bisher von innovativen Fahrradherstellern, über Programmierer von alltagsgetesteten Routen-Apps, zu Stadtplanern und Abstellanlagenbauern. Dass das Know-how dieser Firmen international gefragt ist, steht bereits jetzt fest - hier nur ein paar Beispiele:

In Moskau wird gerade ein Radfahr-Masterplan für die Millionenstadt umgesetzt, der vom Radkompetenz-Mitglied Rosinak & Partner erstellt wurde.

Das Unternehmen Vello, das ein Faltrad speziell für die Stadt entwickelt hat, wurde für sein Produkt mit dem international renommierten Red-Dot-Design-Preis ausgezeichnet.

Auf dem US-Markt für Kinderfahrräder ist das Woom-Bike immer mehr im Kommen, das von zwei Vätern aus Österreich entwickelt wurde.

Zum Beispiel in Berlin, Oslo, Danzig oder Linz können Fahrradfahrer das Wissen von Radkurieren über die besten Wege nutzen, denn die österreichische Firma Bike Citizens hat aus deren Know-how eine App für diverse Städte in Österreich, Polen, Norwegen, Deutschland und den Niederlanden erarbeitet - und den passenden Smartphonehalter für das Fahrrad gleich dazu. Bei Bedarf ist das Angebot an Fahrradnavigations-Apps für Städte erweiterbar. Die App hat auch einen der Eurobike Awards bei der weltweit größten Fachmesse rund ums Fahrrad in Friedrichshafen in Deutschland erhalten.

Interesse gibt es aus anderen Städten auch an der "Wiener Pumpe", der vandalismussicheren Fahrradpumpe vom Wiener Hersteller UUBS (Unique Urban Bicycle Solutions). Von diesen wurden gerade in der Bundeshauptstadt fünf weitere aufgestellt, womit sich das Netz auf zehn erweitert.

Um die international Vermarktung dieser und anderer Ideen, sowie die Zusammenarbeit zwischen den Betrieben, zu erleichtern, wurde die Plattform "Radkompetenz Österreich" oder "Cycle Competence Austria" ins Leben gerufen.

Die Initiative zur Gründung des Kompetenz-Zentrums ging von der Radlobby aus. Als Partner wurde die klimaaktiv-mobil-Initiative des Landwirtschafts-und Umweltministeriums gewonnen. Radlobby-Sprecher Alec Hager erläuterte, dass viele Städte diverses Radverkehrs-Know-how aus Wien als Vorbild nehmen wollen. Dieses Wissen müsse über die Grenzen verbreitet werden.

Ab Herbst startet die Radlobby, die selbst Radkompetenz-Mitglied ist, wieder einen Kurs speziell für Migrantinnen, die als Kind nie richtig oder gar nicht Fahrradfahren gelernt haben. "Für diese Frauen kann das Fahrrad ein Schritt in Richtung Emanzipation sein", sagt Eliza Brunmayr von der Radlobby. "Es ist schön zu sehen, wie sie sich freuen, wenn sie dann Fahrradfahren können". Damit sich Anfänger - oder auch ältere Mitmenschen, die mit dem Rad unterwegs sind - in der Stadt sicherer fühlen, bietet der Verein auch "FahrSicherRad"-Kurse an. Beide Initiativen könnten ebenfalls Vorbildwirkung für andere Städte haben.

Sehr weit ist Österreich bereits im Bereich der Verkehrsforschung- und Planung. Sowohl das Austrian Institute for Technology (AIT) als auch das Institut für Höhere Studien (IHS) beschäftigen sich immer wieder mit Statistiken und Daten zu dem Thema und setzen diese in Berichten, aber auch Fahrradsoftware um. Neben Rosinak & Partner sind auch die Mobilitätsforschungseinrichtung FGM-AMOR, sowie Herry Consult mit diversen planerischen Aspekten rund um Radfahrinfrastruktur beschäftigt - sowohl auf heimischer als auch auf europäischer Ebene.

Innovatives hat Österreich auch im Bereich Fahrradabstellanlagen zu bieten. Das Linzer Unternehmen Innovametall Stahl- und Metallbau GmbH hat das Safetydock entwickelt. Es ist eine Art Container, in dem man diebstahlsicher und wettergeschützt Fahrräder abstellen kann. Wenn gewünscht, kann auch eine Auflademöglichkeit für E-Bikes geschaffen werden oder eine Verleihfunktion.