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Komplizierte Steuervorteile für Mitarbeiter-Aktien

Von Alfred Abel

Wirtschaft

Im steuerlichen Neudeutsch sind Begriffe wie Expatriates, Incentive Tours oder Fringe Benefits bereits Alltagsbegriffe. Neuerdings gehören auch die Stock Options dazu, worunter sich bis vor kurzem nur elitäre Manager weltweiter Konzerne richtige Vorstellungen machen konnten. Nun ist der Terminus auch ins heimische Rechtsgebiet hineingerutscht, vor allem ins steuerliche. Die wachen Leute vom Fiskus haben schnell die mögliche Geldquelle erkannt und mit Kautelen versehen. Jetzt hat auch die Justiz nachgezogen und soeben den Entwurf für ein zivilrechtliches Aktienoptionengesetz - AOG - vorgelegt.


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Das Optionen-System ist unmittelbarer Ausfluss des Shareholer-Value-Denkens. Mitarbeiter eines Unternehmens sollen durch die Möglichkeit, Aktien ihres Arbeitgeber-Betriebes zu einem günstigen Kurs zu erwerben, nicht nur an den Arbeitsplatz gebunden, sondern auch motiviert werden, im Interesse der Aktionäre der Firma (somit auch in ihrem eigenen Interesse) auf einen optimalen Börsenkurs "ihrer" Aktien hinzuarbeiten.

Mitarbeiterbeteiligung

Der so erhoffte steigende Unternehmenserfolg soll den Mitarbeitern in Form einer wertsteigenden Substanzbeteiligung zu Gute kommen. Das System verspricht also offenbar allen Vorteile: Arbeitsplatzsicherung, Motivation und Betriebsbindung für die Mitarbeiter; Unternehmenserfolg und Belebung des Aktienmarktes für die Anteilsinhaber.

Da es dabei zu keinem unmittelbaren Geldfluss kommt, entfällt für den Fiskus die sonst übliche Besteuerung der "Vorteile aus dem Dienstverhältnis". Deshalb haben die Steuer-legisten schon vor Jahren über andere Besteuerungsregeln nachgedacht und in Erlässen und Lohnsteuerrichtlinien niedergeschrieben. Mit dem kürzlich veröffentlichten Kapital-marktoffensivegesetz wurde das Besteuerungsverfahren bei Aktienoptionen nun endgültig neu geregelt, auch attraktiver gestaltet, wenngleich nicht eben vereinfacht.

Optionen mit Chancen

Der Grundgedanke des Mitarbeiterbeteiligungs-Modells fußt auf dem Bezugsrecht für Firmenanteile. Der Arbeitgeber - praktisch kann es nur ein AG sein - räumt seinen Arbeitnehmern (allen oder einer abgrenzbaren Gruppe von ihnen) eine Option ein: ein Anrecht auf den Bezug von Aktien der Arbeitgeber-AG. Etwa so: Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt (zum Beispiel in vier Jahren) kann jeder Mitarbeiter eine bestimmte Anzahl von Aktien des Arbeitgebers zu einem schon jetzt festgesetzten (meist verbilligten) Kurs erwerben. Wenn der Aktienkurs bis zu diesem Zeitpunkt gegenüber dem angebotenen Optionskurs gestiegen ist, ist es für den Mitarbeiter ein Gewinn-Geschäft. Wenn nicht: Pech gehabt.

Es muss sich dabei um eine nicht übertragbare (also an die Person des Mitarbeiters gebundene) Option handeln. Wäre sie übertragbar (also sofort weitergebbar bzw. handelbar), dann müsste der (Sachbezugs-)Wert des erworbenen Bezugsrechts schon bei Einräumung versteuert werden.

Steuern von Optionsgewinn

Im Normalfall setzt aber das Besteuerungsverfahren erst später ein, nämlich bei der Optionsausübung. Dabei wird der steuerbare Optionsgewinn teilweise freigestellt und teilweise aufgeschoben, wozu im Gesetz ein nicht leicht verständliches Stufensystems vorgesehen ist.

Grundregel: Zur Steuerermittlung herangezogen wird der Optionsgewinn, also der Unterschiedsbetrag zwischen den (verbilligten) Anschaffungskosten der Option und dem schließlichen Verkehrswert (also dem Börsenkurswert der Aktien bei Optionsausübung).

Dabei ist allerdings zu beachten, dass eine Steuerbegünstigung für den Optionsgewinn überhaupt nur insoweit zugestanden wird, als das Beteiligungspaket pro Mitarbeiter und Jahr (im Zeitpunkt der Optionseinräumung) nicht mehr als 500.000 Schilling betragen darf. Für ein Beteiligungspaket bis zu diesem Limit dürfen nun für jedes Jahr der Nichtausübung der Option 10% des Optionsgewinnes steuerfrei bleiben, maximal allerdings nur 50%. Wenn also jemand mit der Optionsausübung etwa vier Jahre zuwartet (weil er dann den optimalsten Börsenkurs und Optionsgewinn erhofft), dann bleiben 40% des ermittelten Kursgewinnes steuerfrei, 60% sind lohnsteuerpflichtig.

7 Jahre Steueraufschub

Aber auch dann kommt es noch nicht zur tatsächlichen Steuerbelastung. Denn die effektive Besteuerung des steuerpflichtigen Kursgewinnteiles erfolgt erst dann, wenn die (depotpflichtigen) Aktien vom Mitarbeiter veräußert werden oder das Dienstverhältnis endet oder wenn das 7. Jahr nach der Optionseinräumung vergangen ist. Erst dann wird aus dem steuerpflichtigen Optionsgewinn-Teilbetrag ein "sonstiger Bezug", der - wenn die sogenannte Sechstelgrenze ausgeschöpft ist - vom progressiven Steuertarif getroffen wird. Sieben Jahre Steueraufschub für einen Kursgewinn! Alte Börsianer könnte der Neid fressen.