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Konferenz bestätigt: Islam ist ein Teil Deutschlands

Von WZ-Korrespondent Markus Kauffmann

Europaarchiv

Schäuble: Im Dialog ist Kontinuität entstanden. | Berlin. "Zwischen dem Staat und den Muslimen in Deutschland ist Kontinuität im Dialog entstanden", erklärte am Donnerstag, Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble zur Eröffnung der "Vierten Islamkonferenz", der letzten in dieser Legislaturperiode. Alle waren sich in dem einen Punkt völlig einig: Diese Kontinuität soll auch nach der Bundestagswahl aufrechterhalten werden.


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Schäuble, der soeben von einer Reise in muslimische Länder zurückgekehrt war, bilanzierte die Ergebnisse der bisherigen Islamkonferenzen, die er am 27. September 2006 ins Leben gerufen hatte, und die sich in Arbeitsgruppen aufgeteilt hatte. Diese befassten sich unter anderem mit der deutschen Gesellschaftsordnung und dem im Grundgesetz gefassten Wertekonsens, Religionsfragen im deutschen Verfassungsverständnis, Wirtschaft und Medien sowie Sicherheit und Islamismus.

Der Islam sei längst ein Teil Deutschlands, hatte der Innenminister schon vor Jahren immer wieder erklärt. Eindrucksvoll bestätigt wurde er durch eine soeben veröffentlichte Studie seines Ministeriums. Demnach leben nicht, wie bisher angenommen, etwa dreieinhalb, sondern beinahe viereinhalb Millionen Muslime zwischen Sylt und Berchtesgaden.

Würden die sich zu einer Partei formieren, schafften sie locker die Fünf-Prozent-Hürde. Keine Kurzzeitprognose, denn die Erscheinungsformen des Islam sind zu vielfältig und manches Mal auch sehr widersprüchlich.

Die Ergebnisse dieser anfangs umstrittenen, inzwischen von allen Seiten gelobten Initiative, kurzgefasst:

* Respekt vor der Kultur: Integration als Prozess verändere beide Seiten. Sie verlangt Zuwanderern dabei ein höheres Maß an Anpassung ab, insbesondere an die auf Recht, Geschichte und Kultur Deutschlands beruhenden Orientierungen der Aufnahmegesellschaft.

* Islamunterricht: Kinder muslimischen Glaubens sollen an öffentlichen Schulen islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache erhalten. Modellprojekte gibt es bereits seit einigen Jahren. Jetzt wurde eine Empfehlung vorgelegt, in der die Voraussetzungen für eine schnelle Einführung eines konfessionellen Religionsunterrichts formuliert wurden.

* Moscheebauten: Sollten trotz intensiver Aufklärung Bedenken gegen Moscheebauten nicht ausgeräumt werden, sind Mediatoren einzusetzen.

* Teilnahme an der Gastlandgesellschaft: Sexualkunde, Schwimmen, Schulfahrten - auch muslimische Mädchen sollen daran teilnehmen. Durch intensive Sprachförderung sollen Migrationsfamilien besser integriert werden.

* Verbesserte Zusammenarbeit mit der Polizei (Clearingstelle).

* Klare Distanzierung von Gewalt und Terror.