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Konflikt mit Kurden: Türkei vor einem blutigen Sommer?

Von Susanne Güsten

Politik

Bombe in Istanbul forderte 31 Verletzte. | Destabilisierung Ziel der Militanten. | Istanbul. (apa) Im Stadtteil Bakirköy, einem bürgerlichen Wohnviertel zwischen der Altstadt und dem Flughafen auf der europäischen Seite der türkischen Metropole, flanierte Fuat Subasi mit seinem kleinen Sohn Baris über eine Einkaufsstraße. Plötzlich gab es einen lauten Knall. In einer Mülltonne auf der Straße war eine Bombe explodiert. Fensterscheiben an Häusern in der ganzen Straße zerbrachen, Glassplitter flogen umher. Fuat erlitt eine Schnittwunde an der Stirn. "Ich hatte große Angst, dass meinem Sohn etwas passiert", sagte der Familienvater später. Insgesamt 31 Menschen mussten ärztlich behandelt werden.


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Wer die Bombe in Bakirköy gelegt hat, konnte am Montag nur vermutet werden. Der verwendete Plastiksprengstoff A-4 und der eingesetzte Zündmechanismus - die Explosion wurde per Telefon ausgelöst - deuten auf militante Kurden als Täter hin. Erst in der vergangenen Woche hatte die Kurdengruppe "Freiheitsfalken Kurdistans" in Istanbul versucht, einen Bus in die Luft zu sprengen, der Richter und Staatsanwälte zur Arbeit bringen sollte. Die Bombe explodierte deshalb nicht, weil sich der Akku des Handys entladen hatte, mit dem der Sprengsatz gezündet werden sollte.

Bakirköy ist kein sozialer Brennpunkt, sondern vielmehr ein normales Stadtviertel - und diese Normalität soll offenbar angegriffen werden. Wie groß die Panik bereits ist, zeigte sich kurz nach der Explosion. Als ein Augenzeuge auf die Polizisten am Tatort zuging, um seine Aussage zu machen, glaubten Umstehende, einen Selbstmordattentäter vor sich zu haben und verprügelten den Mann.

Steht die Türkei also vor einem blutigen Sommer? Fast sieht es so aus. In Istanbul und im Kurdengebiet im Südosten sind in den vergangenen Wochen rund 20 Menschen ums Leben gekommen; noch einmal so viele Menschenleben kosteten Kämpfe zwischen der türkischen Armee und den Rebellen von der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK).

Die Rebellen verlangen von der türkischen Regierung, sie als Verhandlungspartner zu akzeptieren und eine Generalamnestie für alle 5000 PKK-Kämpfer zu erlassen. Ankara lehnt das ab. In der beginnenden Wahlkampfstimmung - im kommenden Jahr werden Staatspräsident und Parlament neu gewählt - ist Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nicht in der Stimmung für i kontroverse Kompromisse.