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Kongo: Misstrauen vor Start der EU-Mission

Von Sofia Bouderbala

Europaarchiv

Die Gemeinschaft zeigt bis dato keinerlei Präsenz. | Kinshasa. (afp) In Kinshasa herrscht Aufregung: "Die Ausländer wollen den Kongo regieren", brüllt ein aufgebrachter Demonstrant.


Die Opposition in dem afrikanischen Land macht Stimmung gegen die EU. Diese soll zusammen mit der UNO ab dem 30. Juli die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen schützen. Die deutsche Bundesregierung hat erst am gestrigen Mittwoch den Einsatz von fast 800 Soldaten gebilligt.

Doch elf Wochen vor den Wahlen stehen die Kongolesen den Helfern aus dem fernen Europa misstrauisch gegenüber. Für Gerüchte ist viel Raum, denn die EU ist bis dato nicht präsent. EU-Offiziere wurden nirgendwo gesichtet, außerdem ist unklar, wie der Einsatz im Detail aussieht.

"Nichts ist vorbereitet"

Die UNO fordert von der EU, Präsenz zu zeigen - um niemanden die Chance zu geben, die EU-Soldaten schon vor ihrer Ankunft in Verruf zu bringen. Bisher gab es aber nur ein paar Blitzbesuche von EU-Vertretern. "Nichts hat bisher begonnen, weder Bauarbeiten noch die Ausbildung der Leute vor Ort", sagt ein EU-Diplomat in Kinshasa. So sind bisher keine Dolmetscher ausgebildet. Noch weiß niemand, wo die Soldaten Quartier nehmen sollen, ob am internationalen Flughafen rund 20 Kilometer außerhalb von Kinshasa oder am zentraleren Airport Ndolo. In den Botschaften und bei der UN-Friedensmission MONUC gibt es keine Verbindungsoffiziere für den Einsatz. Bei den bereits im Kongo befindlichen internationalen Vertretern wächst unterdessen die Unruhe. "Es ist sehr wichtig, dass die EU den Kongolesen klarmacht, warum sie kommt", sagt Albrecht Conze, Vize-Direktor für politische Angelegenheiten bei der UN-Friedensmission MONUC, die mit 17.000 Soldaten das Hauptkontingent der Truppen stellen soll. "Es gibt Gerüchte in der Stadt, dass die EU bei den Wahlen nur einen Kandidaten unterstützen wird."

Oppositionsparteien im Kongo behaupteten jüngst, die internationale Gemeinschaft, die die Wahlen komplett finanziert, werde Partei für den amtierenden Präsidenten Joseph Kabila ergreifen. MONUC-Vertreter Conze fordert deshalb: "Es muss klar sein, dass die EU kommt, um schlechte Verlierer in die Schranken zu weisen und die Wahlen zu sichern."