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Königin der Nacht und so

Von Christina Böck

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Krise, Krise, Krise. Wer das schon nicht mehr hören kann, für den gibt es gute Neuigkeiten aus dem Klassikmarkt. Eine Studie hat festgestellt, dass nie zuvor mit Konzerten klassischer Musik so ein Umsatz gemacht worden sei wie im Jahr 2011. Was dem durchschnittlichen Wiener Musikbildungsbürger jetzt kaum eine Erwähnung wert sein dürfte, ist für den Weltmarkt schon beachtlich. Klassikkonzerte, Opern und Operetten machen demnach den "Löwenanteil" des Live-Musikmarktes aus - noch vor Rock, Pop und Musicals. Da liegt der ORF ganz im Trend, wenn er, so wie am Mittwoch, ab und zu vielverschmähte Hochkultur ins Programm hebt. Die Übertragung der Festspiel-Premiere von "La bohème" war die meistgesehene Salzburg-Übertragung seit der "La traviata" von 2005. Gut, in beiden war Publikumsmagnet Anna Netrebko der Star. Aber ein Marktanteil von 20 Prozent und eine durchschnittliche Reichweite von 405.000 Zuschauern können sich schon sehen lassen. Markus Rogan sahen am anderen Sender nur unwesentlich mehr beim Scheitern zu.

Und es geht Schlag auf Schlag: Am Montag zeigt der ORF die neue Salzburger "Zauberflöte". Leider singt da aber keine Netrebko, deshalb wurde diese Oper ins Spätprogramm (22.30 bis 1.30 Uhr) verräumt. Königin der Nacht und so. Da wird die Reichweite geringfügig anders aussehen. Es ist kein sehr origineller Kritikpunkt, aber er wird leider nie weniger aktuell. Lieber Sender mit dem Bildungsauftrag: Wenn schon der Aufwand, warum nicht gleich im Hauptabendprogramm? Kommt es bei der Quotenjagd wirklich auf diese drei, vier Mal im Jahr an?