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Können sich die Taliban für einen Waffenstillstand öffnen?

Von David Ignatius

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Afghanische Pragmatiker sehen keine Unterstützung mehr in Pakistan | und scheinen sich nun einen Frieden vorstellen zu können.


Gerade jetzt zur Hauptsaison des Wohlwollens gibt es ein seltenes bisschen Hochstimmung über die Aussichten auf Frieden mit den Taliban in Afghanistan. Der Grund: Einige Taliban-Führer dürften zu dem Schluss gekommen sein, den Bürgerkrieg, der dem Abzug der US-Kampfeinheiten folgen könnte, womöglich nicht zu gewinnen. Sie scheinen zu erkennen, dass ihr Einfluss, paradoxerweise, geringer werden könnte, wenn die meisten US-Truppen Ende 2014 abziehen. Seit den 1990er Jahren, als die Taliban nach dem Bürgerkrieg die Macht ergriffen hatten, hat sich die Situation geändert: Pakistan ist kein verlässlicher politischer Schirmherr und finanzieller Unterstützer mehr.

Das jüngste Zeichen der Annäherung gab es vorige Woche in Chantilly, wo die französische Regierung ein Treffen afghanischer Politiker vermittelte, unter ihnen auch Shahabuddin Delawar und Naeem Wardak, Vertreter der Taliban. Das Treffen in Chantilly folgte auf ähnliche Gespräche in Kyoto im Juni.

Die Taliban-Verhandler sind Teil der "pragmatischen Fraktion", wie sie US-Regierungsbeamte nennen. In Opposition zu den Pragmatikern steht die Fraktion der Hardliner, die von Abdul Qayyum Zakir angeführt wird, einem früheren Guantanamo-Häftling, der Chef der Taliban-Militärkommission ist.

Die Verhandlungsargumente der Pragmatiker werden durch die jüngste Kooperation Pakistans mit den USA und Afghanistan gestärkt. Da der Einsatz der US-Kampftruppen zu Ende geht, sind die Pakistani zu dem Schluss gekommen, dass ein Bürgerkrieg (wie sie ihn in den 1990er Jahren noch mitfinanzierten) an ihrer Grenze nicht in ihrem Interesse ist. Also reichen sie nicht nur der afghanischen Regierung die Hand, sondern auch der Nord-Allianz, einem von ethnischen Tadschiken geführten Block, dem Hauptgegner der Taliban und ihrer paschtunischen Anhänger.

Als nächsten Schritt Richtung Aussöhnung würden die USA gern eine Wiederaufnahme des sogenannten "Doha-Prozesses" sehen. Das würde auch den Austausch von Gefangenen umfassen und die Öffnung einer Taliban-Behörde in Doha, Katar.

Es besteht die Hoffnung, dass dieser Prozess letzten Endes zu einem Waffenstillstand in Afghanistan führen könnte, obwohl es von den Taliban-Führern heißt, dass sie sich jedem Wortlaut widersetzen, der ihren Anhängern wie Kapitulation erscheinen könnte.

Die USA bestehen auf mehreren "notwendigen Ergebnissen" bei einem so verhandelten Frieden, inklusive der Lossagung der Taliban von der Al-Kaida und der Anerkennung der afghanischen Verfassung. Trotz einiger öffentlicher Statements von Mohammed Omar, Chef der Pragmatiker-Fraktion, haben die Taliban bis heute weder ihre Ablehnung der Al-Kaida erklärt, noch die Anerkennung der Verfassung.

Friede ist es nicht, aber die jüngsten Vorstöße in Richtung ernsthafter Verhandlungen mit den Taliban deuten darauf hin, dass die Lage in Afghanistan, so düster sie auch den meisten US-Bürgern erscheinen mag, doch Hoffnung auf einen Fortschritt im neuen Jahr bietet.

Übersetzung: Redaktion