Zum Hauptinhalt springen

Konsumenten in Kinderschuhen

Von Petra Medek und Sissi Eigruber

Wirtschaft

Coole Markenklamotten, die neuesten Computerspiele und Essen aus dem Lieblings-(Fastfood-)Restaurant: Kinder und Jugendliche haben sich - nicht zuletzt aufgrund des Gruppenzwanges - in den letzen beiden Jahrzehnten verstärkt zu einer attraktiven Käuferschicht gemausert.


Kein Wunder also, dass der Euro-Countdown auch an dieser Bevölkerungsgruppe nicht spurlos vorbei geht: So hat etwa der Verein für Konsumenteninformation (VKI) Unterrichtsmaterial zusammengestellt, dass den jüngsten Österreichern und deren Lehrern den Abschied vom Alpendollar erleichtern soll. Für 8- bis 11-jährige gibts ein Video von und mit Kinderbuch-Autor Thomas Brezina - Währungsumstellung in kriminalistischer Verpackung also.

Für die Gruppe der 12- bis 18-jährigen haben die Konsumentenschützer ein interaktives PC-Spiel entwickelt: Hier lockt ein Quiz in insgesamt vierzehn Runden mit einer Belohnung in Form von virtuellen Euro. Das Video und die CD-ROM werden dieser Tage in insgesamt 7.000 österreichischen Schulen verteilt, wie der VKI am Mittwoch in einer Aussendung mitteilte.

Nicht nur die Konsumentenschützer werden wohl daran interessiert sein, dass die Kids mit Cent und Euro auf Du und Du stehen - immerhin nimmt die Kaufkraft dieser Bevölkerungsgruppe zur Freude des Handels und der internationalen Markenartikelhersteller stetig zu.

420 Mill. S pro Monat - die Kaufkraft der Kinder

Durchschnittlich erhält jeder junge Österreicher zwischen 7 und 15 Jahren pro Monat 492 Schilling Taschengeld, bestehend aus regelmäßigen Zuwendungen von 207 Schilling plus Extrazuwendungen zu besondern Anlässen von 285 Schilling monatlich.

Jene 850.000 Österreicher dieser Altersgruppe verfügen somit über ein monatliches Kaufkraftvolumen von 420 Mill. Schilling - 1996 lag der Vergleichswert bei 370 Mill. Schilling. Das ergab eine vom Marktforschungsinstitut IMAS durchgführte Verbraucheranalyse, für die rund 2.083 Buben und Mädchen befragt wurden.

Bewusst ausgegeben werden davon etwa 150 Mill. Schilling, der Rest wird meist gespart. Auf den Sparbüchern der österreichischen Kinder und Jugendliche liegen rund 3,8 Mrd. Schilling.

Ein wesentlicher Wirtschaftfaktor ist jedoch nicht nur die eigene Kaufkraft der Kinder, sondern auch ihr Einfluss auf die Kaufentscheidungen der Erwachsenen. "Durch die verstärkte Einbindung der Kinder in die Entscheidungen der Familie ist deren Einfluss auf Kaufentscheidungen deutlich gestiegen", erklärt Katharina Srnka vom Universitätsinstitut für Betriebswirtschaft im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Dabei geht es allerdings nicht nur um Lebensmittel, sondern auch um kostspieligere Anschaffungen wie PCs, Video- und Computerspiele sowie CDs oder Videokassetten. "Kinder und Jugendliche sind die Konsummotoren, was die kommunikationstechnische Aufrüstung in den Haushalten angeht", stellte auch Karl Kollmann von der Abteilung Konsumentenpolitik der Arbeiterkammer (AK) fest. Und die Eltern würden den Konsumwünschen der Kinder immer mehr nachkommen, damit diese mit den anderen Kindern "mithalten" könnten.

Peer Groups und Persönlichkeit

Auf der Suche nach der eigenen Identität versuchen sich Jugendliche abzugrenzen - was nicht zuletzt mit Hilfe von modischen Accessoires passiert. Modische Markenartikel werden hier aber nicht nur zur Abgrenzung von anderen, sondern auch zur Demonstration von Zugehörigkeit zu Gruppen, den so genannten Peer Groups, verwendet, weiß Srnka. Kaum hat sich ein modischer Trend aber durchgesetzt, wird schon der nächste notwendig, der sich davon abheben soll, analysiert Prof. Erich Kirchler vom Universitätsinstitut für Psychologie die modische Trendablöse. Und schon ist wieder ein neues Outfit angesagt - und die Kassen klingeln wieder.