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Kontakt zu einem Heiligen

Von Ania Haar

Politik
Das Papst-Denkmal vor der Gardekirche am Rennweg.
© Mili Flener

Auftakt zur bevorstehenden Heiligsprechung von Johannes Paul II.


Wien. Die Polen haben bald Grund zum Feiern: Am 27. April 2014 wird nicht nur der italienische Papst Johannes XXIII., sondern auch der polnische Pontifex Johannes Paul II. heiliggesprochen. Bei den Feierlichkeiten in Rom werden auf jeden Fall auch Polen aus der Gemeinde am Wiener Rennweg dabei sein.

Gefeiert haben die Polen am Rennweg auch am vergangenen Sonntag. Bereits zum 13. Mal wurde in der Polnischen Katholischen Mission in der Gardekirche im 3. Bezirk der "Papsttag" begangen, den die Stiftung "Werk des neuen Jahrtausends" (Fundacja Dzielo Nowego Tysiaclecia) ursprünglich in Polen ins Leben gerufen hatte. Immer am Sonntag vor dem 16. Oktober, dem Jahrestag der Papstwahl von Karol Wojtyła (Johannes Paul II.), werden Spenden gesammelt. Diese sollen jungen, begabten Menschen in einer schwierigen finanziellen Situation eine Ausbildung ermöglichen. Das heurige Motto der Aktion lautete "Dialog".

So sang in der Gardekirche der polnische Migrantenchor "Gaudete" mit Sopranistin Izabela Kopec als Gast, begleitet vom Orchester der Schlosskapelle Schönbrunn, unter der Leitung von Michal Kucharko, der auch Assistent von Erwin Ortner, dem künstlerischen Leiter des bekannten Arnold-Schönberg-Chors ist. "Mir war wichtig, auch musikalisch das Motto des ‚Papsttages‘ zu betonen", erklärt Kucharko die Auswahl österreichischer und polnischer Lieder. Ein weiterer Anknüpfungspunkt: die Orgel, die vor genau 30 Jahren anlässlich des Papstbesuchs in Österreich gebaut wurde und von Johannes Paul II. persönlich während eines kurzen Besuchs am Rennweg geweiht worden war und nun von Organist Stefan Donner gespielt wurde.

In der Gardekirche am Rennweg sind die Erinnerungen an den 2005 verstorbenen polnischen Papst bis heute sichtbar und werden auch ganz besonders gepflegt. Schon als Bischof war Karol Wojtyła mehrere Male am Rennweg zu Gast, in der Polnischen Katholischen Mission, die sich direkt hinter der Kirche befindet. "Er hat sich hier aufgehalten, als er etwa auf dem Weg nach Rom zum II. Vatikanischen Konzil war, und übernachtete in unseren Räumlichkeiten", erklärt der junge Ordensbrüder Jan Kaczmarek. "Hier hat er auch mit den polnischen Gläubigen gemeinsam gebetet."

"Kontakt zu einem Heiligen"

1983 kam er wieder nach Wien, dann aber schon als Papst Johannes Paul II., und erinnerte in einer Ansprache in der Josefskirche am Kahlenberg an das 300-jährige Jubiläum des Sieges des polnischen Königs Jan III. Sobieski über die osmanischen Truppen. Der Gardekirche stattete er erneut einen Besuch ab.

"Es ist etwas ganz Besonderes zu wissen, dass wir hier Kontakt zu einem Heiligen hatten", sagt Kaczmarek. So werden einige Erinnerungsstücke in der Kirche aufbewahrt: etwa der Stuhl, auf dem Papst saß, und ein Messkelch, den er als Geschenk mitbrachte. Später kamen zwei goldene Kronen dazu, die am Gnadenbild "Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe" angebracht sind. Nach dem Tod des Papstes schaffte die Ordensgemeinschaft der Resurrektionisten auch eine Reliquie mit einem Tropfen seines Blutes heran.

Die polnischen Gläubigen haben dem von ihnen verehrten Papst auch ein Denkmal gewidmet, das nun rechts vor der Kirche steht. Später sammelten sie Geld für ein Bild von Johannes Paul II., als Symbol für seine Anwesenheit an diesem Ort und in der Hoffnung, dass er seliggesprochen würde - was am 1. Mai 2011 tatsächlich geschah. Der Kult des Seligen ist in der Wiener Gemeinde sehr lebendig. Mittwochabends vor dem Rosenkranzgebet gibt es Fürbitten durch den Seligen, donnerstags findet eine Anbetung statt. Und jeden zweiten Freitag im Monat gibt es einen Rosenkranz zur Göttlichen Barmherzigkeit durch die Fürsprache von Johannes Paul II.

Ein ganz besonderer Tag

Auch der Tag der Heiligsprechung (27. April) hat für die Gläubigen eine ganz besondere Bedeutung. Dieser fällt nämlich auf den Sonntag zur Göttlichen Barmherzigkeit (auch Barmherzigkeitssonntag genannt), eine Woche nach dem Ostersonntag. Eingeführt hat diesen übrigens Johannes Paul II. Und obwohl der Termin der Heiligsprechung noch weit entfernt ist, hat für den Wiener Polen Stanislaw Salamon die Pilgerfahrt zur Heiligsprechung nach Rom eigentlich schon begonnen: "Mit dem ‚Papsttag‘ fangen unsere Vorbereitung an." Er war schon Mitorganisator der Pilgerfahrt nach Rom zur Seligsprechung 2011 und betreut seit 30 Jahren eine Fußwahlfahrt nach Maria Gugging in Wienerwald mit. Einmal in Montag gehen die polnischen Gläubigen die rund 20 Kilometer lange Strecke - der Schutzpatron dieser Fußwahlfahrt ist ebenfalls Johannes Paul II. 100 bis 150 junge und ältere Menschen pilgern jedes Jahr, bei jedem Wetter.

Diese Gruppe wird sich nun auf den Weg nach Rom machen. "Wir werden am Samstag in der Früh losfahren und kommen, wenn alles gut läuft, um Mittenacht in Rom an. Rund eine Stunde marschieren wir dann Richtung Petersplatz und stellen uns in einer Schlange an. Nach ein paar Stunden Wartezeit werden wir dann hoffentlich reingelassen. Bei der Seligsprechung war es dann so gegen halb neun so weit", erzählt Salamon.

Heilende Kräfte des Papstes?

Das lange Stehen in der Nacht muss sein, meint er. "Im Leben muss man immer etwas aufopfern und sich anstrengen, umsonst gibt es nichts." Rund 180 Gläubige fuhren 2011 in drei Bussen nach Rom, "und keiner hat es bereut".

Ebenso wie die Gruppe von 15 schwerkranken Gläubigen aus der Gemeinde, die im Oktober 2004 zur Privataudienz nach Rom zum Papst reisten, der zu diesem Zeitpunkt selbst schon sehr krank war. "Alle, die dort waren, leben heute noch", erklärt Salamon. "Ich weiß nicht, ob man das Wunder nennen sollte, aber sie sind gesund."