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Kontroverse um den Forschungsrat

Von Eva Stanzl

Wissen

Karl nennt "ihre" Mitglieder und will Vorsitz für Wissenschafter. | Hannes Androsch macht nicht mit, wenn er nicht Ratsvorsitzender wird. | Wien. Fünf Mitglieder von Universitäten und mehr Frauen als Männer: Wenn nun wirklich alles gut geht, ist der neue Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) komplett. | Analyse: Neuer Forschungsrat sollte sich über schwammige Strategien hinwegsetzen


Wissenschaftsministerin Beatrix Karl hat die aus ihrem Haus zu entsendenden Mitglieder am Dienstag bekanntgegeben. Sie nominiert die Wiener Mikrobiologin Renee Schroeder, den Wiener Genetiker Markus Hengstschläger, den Rektor der Technischen Universität (TU) Wien, Peter Skalicky, und die Rechtswissenschafterin Marianne Hilf von der Universität Sankt Gallen. Karl betonte außerdem, dass sie sich als Vorsitzenden einen "renommierten Wissenschafter" wünsche, der der Bezeichnung des Beratungsgremiums der Bundesregierung "gerecht wird" mit einer "starken Verankerung in der Forschung". Wenn sie dabei bleibt, droht ein Konflikt im Forschungsrat.

Keine Zeit für Konflikte

Laut Gesetz wird der acht-köpfige Rat zu gleichen Teilen von den Ministerien für Wissenschaft und Infrastruktur für fünf Jahre bestellt. Der Vorsitzende wird von den Mitgliedern gewählt. Infrastrukturministerin Doris Bures hatte ihre Kandidaten vor zwei Wochen in Alpbach bekanntgegeben und betont, dass sie sich den Industriellen Hannes Androsch als Vorsitzenden wünsche. Weiters entsendet sie die Unternehmensberaterin Karin Schaupp, die Biotechnologin Gi Eun Kim und Gabriele Ambros, Präsidentin der Forschung Austria. "Es ist wichtig, dass der Forschungsrat seine Arbeit rasch aufnimmt", betonte Bures am Dienstag.

Nun aber will Androsch keine Funktion im RFT antreten, außer jener des Vorsitzenden. "Der Vorsitz ist das Vorschlagsrecht des Infrastrukturministeriums und mich hat Frau Bures vorgeschlagen. Alles andere müssen sich die Ministerien ausmachen. Für Kontroversen stehe ich sicher nicht zur Verfügung", sagte er zur "Wiener Zeitung". Dem entgegnet Karl jedoch, dass die Bestellung des Vorsitzes nicht eine Frage der "politischen Zurufe" sei.

Für Hengstschläger ist der Vorsitz hingegen eine Frage der Übereinkunft: "Wir müssen uns zuerst über Visionen austauschen: Soll den Vorsitz jemand aus der Wirtschaft übernehmen oder eine Frau?" Anders sieht es TU-Rektor Skalicky, der sich einen Vorsitz "ganz sicher" vorstellen kann: "Ich kann als einfaches Ratsmitglied meine Funktion aufnehmen, aber ich würde auch einen brauchbaren Vorsitzenden abgeben", sagte er. Die konstituierende Sitzung ist in zwei Wochen angesetzt.