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Konzerne arbeiten für Klimaschutz

Von Wolfgang Tucek

Politik

Änderung des Kundenverhaltens. | Belgische Colruyt-Group als Vorreiter. | Brüssel. Immer mehr Konzerne arbeiten daran, klimaschonend oder sogar CO2-neutral zu agieren. Denn die Konsumenten-Nachfrage werde sich in Richtung klimafreundlicher Produkte entwickeln, sagt Jürgen Ritzek vom internationalen Berater GreenBusiness Consulting: "40 bis 70 Prozent der Kunden halten das für relevant und wichtig." Das Phänomen sei vergleichbar mit dem Bio-Boom des letzten Jahrzehnts, so Ritzek. | Dicke Luft bei den Industrie-Kalibern | Klimagipfel-Splitter


Einer der Vorreiter ist die belgische Colruyt-Group. Sie ist in Belgien, Frankreich und Luxemburg vor allem durch ihre Supermärkte bekannt und will bis 2011 CO2-neutral operieren. Die Gruppe verfügt über tausende Quadratmeter an Solarpanelen und eigene Windturbinen und ist an Windparkprojekten in der Nordsee beteiligt, die 2011 und 2013 ans Netz gehen sollen.

Im Konzern wird der Müll streng getrennt und hausintern wiederverwertet und der organische Abfall zu Methangas verarbeitet, das wiederum für die Stromversorgung verbrannt wird. Das ursprüngliche Ziel der CO2-Neutralität von 2015 auf 2011 vorzuverlegen, sei durch die Übernahme der Firma Fraxicor möglich geworden, sagt ein Sprecher. Der Neuzugang im Konzern wandelt gebrauchte Öle und Fette in Strom um.

Berater Ritzek arbeitet an Pilotprojekten für zwei internationale Konsumgüterkonzerne. Diese streben CO2-Neutralität bis 2012 an. Entscheidend sei, dass die Klimaschutzpläne in den Zielvorgaben der Manager festgeschrieben sind: "Denn wenn variable Gehaltsanteile davon abhängen, werden die Ziele auch erreicht."

Ritzek zufolge können die Unternehmen ihre Klimaziele auf drei Wegen erreichen: Erstens könne der eigene Produktionsprozess in Richtung Klimafreundlichkeit optimiert werden - vom Zukauf von Ökostrom über die Reduzierung von Geschäftsreisen zu Gunsten von Videokonferenzen bis zur Verlagerung vom Lkw auf die Schiene. Zweitens können Konzerne ihre Lieferanten in die Pflicht nehmen, und ihre Aufträge mit grünen Ausschreibungskriterien versehen.

Von der dritten Möglichkeit, sich wie die Colruyt-Group Windräder oder Solarpanele für den eigenen Energiebedarf zuzulegen, machen vor allem Eigentümerfirmen Gebrauch. Denn die Kosten rechnen sich erst in zehn bis 15 Jahren. Börsenotierte Betriebe verlangten dagegen bereits nach zwei bis drei Jahren einen kostendeckenden Rückfluss.