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Konzert für Mozambik in Wien

Von Peter Kuthan

Politik

Wien - Was führt Musikergrößen wie Joe Zawinul und das Vienna Art Orchestra erstmals auf der Bühne zusammen? Welches Anliegen haben die Schauspielerin Andrea Eckert oder die Musiker Otto Lechner, Cheikh M'Boup, Roland Neuwirth und die Wiener Tschuschenkapelle gemeinsam, das sie ebenfalls im Volkstheater auftreten lässt? Sie wollen mit dem Konzert für Mozambik ein starkes Zeichen setzen, dass Afrika nicht nur in den Katastrophenbildern wahrgenommen wird, die der Kontinent fast täglich auf die Bildschirme liefert.


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Alle teilnehmenden KünstlerInnen haben selbst Erfahrungen in Afrika gemacht, die den Klischees der Hoffnungslosigkeit widersprechen. Sie haben dort menschliche Wärme, kulturelle Vielfalt und schöpferische Initiative erlebt, die Armut und schwierigste Lebensbedingungen überwinden können. Diese Erfahrung verbindet gerade in einer Notsituation, wie sie Mozambik mit einer Jahrhundertflut zu Jahresbeginn durchgemacht hat. Deshalb auch die spontane Bereitschaft der KünstlerInnen, beim Konzert für Mozambik unentgeltlich mitzutun und mitzuhelfen. Das Konzert findet am 1. Juni im Wiener Volkstheater statt und beginnt um 14.30 Uhr.

Die Katastrophe nach der Katastrophe, das ist, wenn die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit nach dem dramatischen Höhepunkt zum nächsten Schauplatz weiterzieht, während die Langzeitfolgen für die Bevölkerung - in diesem Fall kaputte Infrastruktur, vernichtete Behausungen, Brunnen und Feldkulturen, erhöhte Seuchengefahr usw. - drastisch spürbar werden. Solidarität ist keine Eintagsfliege. Das Konzert soll das öffentliche Interesse wach halten und weitere Unterstützung mobilisieren.

Mozambik gehört nach wirtschaftlichen Kennzahlen zu den ärmsten Ländern Afrikas, hat aber in den letzten Jahren, vor allem seit Beendigung des Bürgerkriegs 1992, einen starken Aufschwung erlebt. Dieser Wiederaufbau des Landes wurde durch die Flutkatastrophe um Jahre zurückgeworfen. Die Schäden werden auf 450 Millionen US-Dollar geschätzt. Es geht aber nicht allein ums Geld, das die internationale Gebergemeinschaft inzwischen großteils versprochen hat. Es geht in erster Linie um die Initiative der Betroffenen selbst, die sich inzwischen auf der Ebene der Dörfer und Nachbarschaften formiert hat und praktische Solidarität demonstriert.

Das Konzert unterstützt deshalb mit seinem Reinerlös bewußt zwei Projekte, die eine solche Eigeninitiative verkörpern. Da ist einmal das "Integrierte Stadt- und Distrikt- Entwicklungsprojekt Dondo-Buzi" in der Provinz Sofala im Hinterland der Hafenstadt Beira im mittleren Mozambik, wo die Komitees der Bevölkerung selbst die Schwerpunkte ihrer Aktivitäten und den Einsatz der Mittel bestimmen. Dieses Gebiet bildet seit Jahren den geografischen Focus von österreichischen NGO´s und der Entwicklungszusammenarbeit, für die Mozambik ein Schwerpunktland ist. Dort wurde auch bereits mit dem Aufbau von Hütten und der Wiederherstellung der Wasserversorgung begonnen.

Das zweite Projekt ist die Initiative "KünstlerInnen gegen Armut", die die kreativen Kräfte und kulturellen Traditionen des Landes für den Wiederaufbau mobilisieren will. Nach den Worten des Staatspräsidenten Joaquin Alberto Chissano soll diese Bewegung " der Welt zeigen, daß wir uns nicht ewig mit der Armut abfinden wollen; daß wir im Kampf gegen die Armut selbst vorangehen müssen". Konkret soll der Aufbau des traditionsreichen, künstlerischen Begegnungszentrums Xipamanine in einem der ärmsten Vororte von Maputo unterstützt werden, wo dieses landesweite Netzwerk eine Basis hat. Es wird also auch hier Hilfe zur Selbsthilfe geleistet.

Wo es jetzt aber wirklich primär ums Geld geht, das ist die katastrophale Schuldenlast (insgesamt 8,3 Mrd. US-Dollar, 1,4 Mill. Dollar Schuldendienst pro Woche), die Mozambik seit dem Bürgerkrieg und der Destabilisierung durch das südafrikanische Apartheid-Regime mitschleppt. Trotz zeitweiligem Zahlungsaufschub wird das Land dadurch in seiner Handlungsfähigkeit und Entwicklung stark eingeschränkt.

Österreich hat Mozambik bereits 171 Mill. Schilling an Schulden aus Entwicklungshilfe-Krediten erlassen. Ehemalige Handelsforderungen in Höhe von insgesamt 240 Mill. Schilling sind aber noch offen. Die Initiative "Erlassjahr" 2000 - Österreich" fordert den österreichischen Staat auf, sofort alle Schulden Mozambiks zum Nutzen des Wiederaufbaus des Landes zu streichen. Von Österreich wird auch erwartet, daß es sich aktiv für eine rasche und vollständige Entschuldung des Landes im Pariser Club (Forum der staatlichen Gläubiger) und bei den internationalen Finanzinstitutionen einsetzt. Das Konzert soll auch für diese Forderungen öffentlich Stimmung und Druck machen.

Peter Kuthan ist Konsulent für Kulturkooperationen im Wiener Außenministerium und Obmann der ARGE Zimbabwe.