Zum Hauptinhalt springen

Korrupte Ärzte als Volkskrankheit

Von WZ-Korrespondentin Carola Palzecki

Wissen

Netzwerk berät in der Slowakei über Gegenmaßnahmen. | Bratislava. Mediziner (und bisweilen auch Patienten) reichen fiktive Rechnungen bei den Kassen ein, Krankenhausmanager bilanzieren vorsätzlich falsch, Ärzte und ihr Personal machen Profit mit zweifelhaften Angeboten für einen vermeintlich besseren Service, medizinische Ausrüster produzieren bewusst am Bedarf vorbei. Damit gehen den EU-Staaten jährlich immerhin drei bis zehn Prozent ihres Gesundheitsbudgets verloren, so die Schätzungen des Europäischen Netzwerks zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen (EHFCN) bei seiner 2. Jahrestagung in Bratislava.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 18 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Das Netzwerk konstituierte sich im vergangenen Jahr in London auf Initiative von zehn EU-Staaten, darunter auch die Slowakei, Slowenien und Litauen. Heuer wurde vor allem über erste konkrete Schritte zur Vorbeugung von kriminell begründeten Vermögensschäden im Gesundheitswesen beraten. In den meisten Ländern wurden schon Behörden eingerichtet, die konkret mit der Korruption im Gesundheitswesen befasst sind. Möglichkeiten, einschlägige Straftaten zu sanktionieren, gibt es auf den ersten Blick viele: strenge Ausgabenkontrollen bei den Krankenkassen, Geldbußen, Strafverfahren und Lobbyarbeit für eine Kultur gegen Betrug und Korruption im Gesundheitswesen.

Das EHFCN wird wohl vor allem ein wichtiges Netzwerk für den grenzübergreifenden Erfahrungsaustausch von Experten und eine engagierte Lobbyorganisation werden. Damit muss es aber nicht wirkungslos bleiben, wie ein Beispiel aus Großbritannien zeigt: Einer dortigen Initiative ist es im wesentlichen zu verdanken, dass aus Straftaten resultierende Schädigungen der Krankenkassen um schätzungsweise 50 Prozent reduziert wurden.