Zum Hauptinhalt springen

Koscheres Red-Bull mit Bio-CO 2

Von Werner Grotte

Wirtschaft

Geothermie in Bad Blumau mit großen Energie-Reserven. | Heiße Quelle liefert pro Stunde | 2 | . | BadBlumau. In Konkurs ist er nicht. Und selbst den Gästerückgang, den die Negativ-Berichterstattung mancher Medien zu Jahresbeginn auslöste, hat er per Juni verdaut. "Das Haus ist voll, die Geschäfte laufen gut", sagt Therme Blumau-Betreiber Robert Rogner jun., der ein ehrgeiziges Ziel verfolgt: Er will Bio-Bauern rund um die Therme ansiedeln, die ihn beliefern und die er umgekehrt günstig mit Dünger und Energie aus seiner heißen Quelle versorgen kann.


Mit 3000 Meter Bohrtiefe liegt Rogners "Vulkania-Quelle" rund 1000 Meter tiefer als die Quellen der Thermen-Konkurrenz, was entscheidende Vorteile bringt. "Hier schießt 107 Grad Celsius heißer Dampf mit 3,3 bar Druck herauf - das sind 23 Liter pro Sekunde", erklärt Rogner.

Was daraus alles produziert wird, wissen die wenigsten der rund 230.000 Rogner-Gäste, die sich pro Jahr im auf 36 Grad heruntergekühlten Vulkania-Heilwasser entspannen: Nämlich auch Strom und Wärme für die 670 Betten-Anlage sowie Kohlensäure (CO 2 ) für die Getränkeindustrie.

Rund drei Kilometer südlich der Hundertwasser-Therme, versteckt in Kukuruzfeldern, steht das Kraftwerk; ein Gewirr aus blitzenden Metall-Leitungen, riesigen grünen CO 2 -Speichern und geheimnisvollen Maschinen. Hier wird mittels einer zweiten 3000-Meter-Bohrung Dampf für die "Geothermie" geholt.

"Zunächst erzeugen wir damit Strom", erklärt Techniker Werner Schrei. Der Dampf erhitzt ein Treibmittel mit geringerem Siedepunkt, was wiederum eine Dampfturbine antreibt. "Ein Verfahren, das aus Israel stammt und seit 2001 auch bei uns ausgezeichnet funktioniert", sagt Schrei.

Pro Stunde werden auf diese Weise im Schnitt 190 Kilowatt Strom erzeugt, der ins Netz der Landesenergiegesellschaft Steweag eingespeist wird. "Das entspricht etwa zu zwei Drittel dem Strombedarf unseres Betriebes", schätzt Rogner.

Danach erfolgt - seit diesem Sommer - der zweite Schritt: die CO 2 -Gewinnung. Wie Rogner es formuliert, ist die Gasblase "ein unterirdischer, eingeschlossener See, der auf einem aktiven Vulkan sitzt und von diesem ständig angeheizt wird, wodurch stark mineralisierter Dampf und CO 2 entstehen, die nun zu uns heraufgedrückt werden".

Pro Stunde sind das 700 Kubikmeter Kohlenstoff, die vom Wasserdampf getrennt, gereinigt und auf minus 80 Grad Celsius gekühlt werden. So können pro Stunde rund 1,1 Tonnen natürliches CO 2 produziert werden. Das ist zwar etwas teurer wie künstlich hergestelltes, findet aber dennoch reißenden Absatz: "Etwa bei Red Bull, die für ihre Exporte nach Israel nur unser natürliches Produkt verwenden dürfen, weil es sonst nicht koscher ist", weiß Techniker Schrei. Auch Vöslauer, Ottakringer und Radelberger beziehen natürliche Kohlensäure aus Bad Blumau.

Bereits seit 2000 wird die gesamte Anlage auch mit Quelldampf beheizt, was laut Rogner rund 1,5 Millionen Liter Heizöl erspart. Während andere Thermalbetriebe das warme Wasser nach Gebrauch ableiten, führt Rogner es zurück, "weil wir noch nicht wissen, wie groß die Dampfblase ist, von der wir leben".

Das Wasser hat bei der Rückführung aber noch immer gut 80 Grad, was enorme Heizreserven beinhaltet: "Wir könnten damit eine Stadt wie Fürstenfeld heizen", meint Rogner.

Bio-Bauern gesucht

Noch lieber wäre ihm aber die Ansiedlung von Bio-Bauern im Umland, von denen er Produkte für Hotel und Gastronomie kaufen könnte, wie er es bisher schon tut. "Da gibt es bei allem Wachstum am Bio-Markt noch immer Engpässe, vor allem beim Fleisch", klagt Rogner.

Derzeit bezieht er vor allem Bio-Brot, -Milch, -Spargel, -Eis, und -Schokolade aus lokalen Betrieben, den Rest aus dem Bio-Großhandel. "Landwirte, die sich hier ansiedeln, würden von uns CO 2 zur Düngung sowie Wärme für ihre Glashäuser zu günstigen Tarifen erhalten, andererseits hätten sie für ihre Produkte einen langfristigen Fixabnehmer", erklärt Rogner, dessen Vater den 320-Mitarbeiter-Betrieb gegen teils beträchtliche politische Widerstände vor genau zehn Jahren in einer der ärmsten Gemeinden Österreichs errichtete.