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Prizren · Russische Folkloremusik erschallt aus einem der beiden Schützenpanzer, die vor dem deutschen KFOR-Hauptquartier in Prizren vorgefahren sind. Es ist unüberhörbar: Die ersten russischen | Soldaten sind angekommen. Donnerstag der Vorwoche traf ein Vorauskommando im deutschen Sektor ein. Zwei russische Brigaden mit je 500 Soldaten sollen in den kommenden Wochen im nördlichen Teil der | von der Bundeswehr kontrollierten Region ihre Arbeit aufnehmen.
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General Alexander Popow, der russische Beauftragte für die Stationierung der KFOR-Soldaten, verhandelt im KFOR-Hauptquartier mit den Generälen Fritz von Korff und Helmut Harff über das künftige
Einsatzgebiet und die Zusammenarbeit mit den Deutschen. Die knapp 20 russischen Soldaten, die mit den beiden Schützenpanzern aus Pristina gekommen waren, sitzen derweil auf ihren Fahrzeugen in der
Sonne und hören Musik.
"Sie wollten gerne ein größeres Einsatzgebiet", sagt Harff nach dem Gespräch mit Popow. Die Angelegenheit sei aber geregelt worden. Auch mit der Anzahl der russischen Soldaten · statt 750 sollen nun
1.000 in den deutschen Sektor kommen · gebe es keine Probleme. "Damit können wir leben", sagt der General. Die Neuankömmlinge setzen ihre Schützenpanzer in Gang. Begleitet von deutschen KFOR-Panzern
verlassen sie das Hauptquartier in Richtung ihres künftigen Einsatzgebietes.
Mit skeptischen Blicken mustern die Menschen auf der Straße die Panzer mit der russischen Flagge. Einige Jugendliche, die am Straßenrand die deutschen Begleitfahrzeuge mit dem "Victory"-Siegeszeichen
begrüßt hatten, lassen die Arme abrupt sinken, als sie die beiden russischen KFOR-Panzer in der Mitte der Kolonne entdecken.
Die nächste Station ist die in einem Weinberg gelegene Kommandozentrale der niederländischen KFOR-Truppen, die einen Teil des deutschen Sektors kontrollieren. "Die Russen übernehmen künftig ein
knappes Drittel von unserem Bereich, etwa 200 Quadratkilometer", sagt der niederländische Hauptmann Mike Bos. "Ich denke, wir werden gute Nachbarn sein." Eine Einladung zum Mittagessen · die Tische
waren bereits gedeckt · schlagen die Russen jedoch aus. Sie müßten schnell weiter, heißt es.
Nach einer kleinen Panne · der Motor eines Schützenpanzers fing plötzlich an zu qualmen · erreichen sie ihr eigentliches Einsatzgebiet: Die Region um das Städtchen Malisevo knapp 50 Kilometer
nördlich von Prizren. Der Bürgermeister der fast völlig zerstörten 5.000-Einwohner-Stadt erwartet die Soldaten bereits. "Hier ist kein Platz für die Russen", hatte Gani Krasniqi noch Anfang der Woche
gesagt. Jetzt scheint sich der Bürgermeister aber mit dem Unabänderlichen arrangiert zu haben. "Wir haben ihnen gesagt, daß die Menschen hier sehr mißtrauisch sind", sagt Krasniqi nach einem langen
Gespräch mit General Popow . "Darauf haben sie uns versichert, daß sie für den Frieden hier sind und uns helfen wollen."
Unter den Einwohnern von Malisevo regt sich seit Tagen Widerstand gegen die Neuankömmlinge. Ein Kleinbus fährt hupend an den beiden russischen Panzern vorbei, eine große rote UCK-Fahne weht aus dem
Autofenster. "Viele Russen haben mit den Serben gegen uns gekämpft, unsere Häuser angezündet und die Menschen getötet", sagt der frühere UCK-Kämpfer Fatmin Pasarizi. "Wie sollen wir uns da über ihre
Ankunft freuen?" In der Region hätten besonders viele Russen mit den serbischen Milizen gekämpft, sagen die Männer.
Vor etwa zwei Monaten erschossen UCK-Soldaten in der Nähe der Kleinstadt einen russischen Ausbildungsoffizier. Rund 45.000 Albaner wohnen in den Dörfern rund um Malisevo, nur wenige Serben leben noch
in der Region. "Wenn die Russen korrekt sind, sind wir es auch. Wenn nicht, dann kämpfen wir wieder", sagt der 16jährige Ali Mazreku.
Auch der örtliche Brigadekommandeur der UCK, Vllaznim Kryezin, spricht mit dem russischen General. "Wir hoffen, daß alles gut geht", sagt er. "Wir müssen mit ihnen zusammenarbeiten, schließlich hat
die UCK-Führung den Vertrag unterzeichnet." Als Zeichen des guten Willens öffnet er die Tür zum Kofferraum seines Autos, wo etwa ein Dutzend Waffen liegen. "Die sollten wir doch abgeben", sagt er und
die umstehenden Russen nicken zufrieden.
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