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"Kosovo-Frage gefährdet den Balkan"

Von Georg Friesenbichler

Europaarchiv

Gespräch mit dem montenegrinischen Botschafter in Wien. | Wien. Die EU-Fahne vor der Botschaft bezieht sich nur auf das EU-Mitglied Slowenien, dessen Hoheitszeichen daneben flattert. Bis die Flagge Montenegros vom Wiener Hersteller geliefert wird, muss Vesko Garcevic, seit April als erster Botschafter des jungen Staates in Wien im selben Gebäude wie die Slowenen untergebracht, noch ein wenig warten. Durch die optische Nähe der Fahnen wird dann ein möglicher EU-Beitritt Montenegros vorweggenommen scheinen.


Garcevic sieht sein Land auf gutem Weg dahin. Ende 2008 wolle man den Antrag auf Kandidatenstatus stellen und hofft, ihn 2009 zu bekommen.

Mit größerer Sorge blickt der Botschafter dem 10. Dezember entgegen. An dem Tag sollen die Verhandlungen zum künftigen Status der südserbischen Provinz Kosovo abgeschlossen sein. Garcevic hält ein Übereinkommen zwischen den Kosovaren und den Serben für unwahrscheinlich. Die ungelöste Frage, ob der Kosovo unabhängig werden soll, gefährde aber Sicherheit und Stabilität am ganzen Balkan. Und diese benötige die Region für ihre weitere Entwicklung dringend.

Über die Vorgangsweise nach dem 10. Dezember könne man nur spekulieren, meint Garcevic zur "Wiener Zeitung". Er glaubt allerdings an eine Gnadenfrist, bis der Fortschrittsbericht im UNO-Sicherheitsrat diskutiert worden ist. Nur dieses Gremium sei für eine Lösung zuständig, meint die serbische Regierung, dort blockiert aber Russland eine mögliche Unabhängigkeit der albanisch dominierten Provinz.

Für den Fall einer einseitig erklärten Souveränität wäre es für die ganze Region wichtig, dass sich die EU zu einer einheitlichen Haltung durchringen könnte, erklärt Garcevic. Zwar hat die EU-Kommission den Plan von UNO-Vermittler Martti Ahtisaari, der eine "überwachte" Unabhängigkeit für den Kosovo vorsah, im Gegensatz zu Belgrad als guten Kompromiss bezeichnet. Aber einige EU-Mitglieder, vor allem Zypern, Griechenland, Slowakei, Spanien und Bulgarien fürchten Vorbildwirkung für ihre eigenen Regionen.

Auch wenn Montenegro selbst um seine Unabhängigkeit von Serbien kämpfte, die es im Juni 2006 proklamiert hat, kommentiert Garcevic die kosovarischen Bemühungen diplomatisch. "Wir wollen mit allen unseren Nachbarn gute Beziehungen", meint er. Ein Beispiel dafür sind jene zu den Serben. Diese hätten sich gut entwickelt, sagt der Botschafter und nennt Kooperationen auf vielen Gebieten ebenso als Beleg dafür wie die Tatsache, dass die Nachbarn in Montenegro die gleichen Steuerrechte wie Einheimische genießen oder - wie alle Bürger Ex-Jugoslawiens - ohne Reisepass einreisen können.

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