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Kosovo wirbt um Investoren

Von Sissi Eigruber

Wirtschaft

Weltbank ortet Potenzial im Bergbau und Energiesektor. | Unterstützung für Investoren. | Wien. Als "kleines Tor" zu der Balkan-Region, möchte sich der Kosovo bei ausländischen Investoren etablieren. So formulierte es Besim Begaj, Präsident der Wirtschaftskammer Kosovo, am Mittwoch im Rahmen einer Veranstaltung in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).


Er räumte zwar ein, dass der Kosovo nicht die "smarteste" Ort in der Region sei, aber führte auch vor Augen, dass es trotz aller vorhandenen Risiken auch Entwicklungsspotenzial gibt. Der künftige Status der südserbischen Provinz, deren albanische Bevölkerung nach Unabhängigkeit strebt, wird derzeit auf internationaler Ebene verhandelt. Korruption, mangelnde Rechtssicherheit, die unsichere politische Lage und eine schlechte Infrastruktur prägen die Provinz im Zentrum Südosteuropas.

Risiko verringern

Unterstützung finden Investoren durch Förderprogramme. Die zuständigen Institutionen (siehe Infokasten), bieten nicht nur Finanzierungsmöglichkeiten, sondern übernehmen auch einen Teil des Investitionsrisikos. Ein Beispiel dafür ist die Miga, eine in Wien angesiedelte Tochter der Weltbank, die auch politisches Risiko versichert. Die Förderinstrumente helfen nicht nur den heimischen Firmen bei ihren Aktivitäten in einer unsicheren Region sondern leisten auch einen Beitrag zur Belebung der Wirtschaft vor Ort. Einen Investitionsanreiz sollen auch die Freihandelsabkommen des Kosovos mit anderen Ländern in der Region bieten, doch diese wurden bisher nur mit Albanien und Mazedonien abgeschlossen, weitere mit Bosnien-Herzegowina und Kroatien seien in Verhandlung, sagte Begaj.

"Der Kosovo ist zwar eine der ärmsten Volkswirtschaften in Europa, aber das Pro-Kopf-Einkommen steigt", erläuterte Josef Treml, stellvertretender Handelsdelegierter für Serbien-Montenegro inklusive Kosovo. Derzeit betrage das registrierte jährliche Durchschnittseinkommen rund 1000 Euro pro Kopf. Die Arbeitslosenrate beträgt 58 Prozent. Die Hilfszahlungen von internationalen Organisationen nehmen von Jahr zu Jahr ab. Um so mehr müsse alles getan werden, um eine funktionierende Wirtschaft aufzubauen.

Potenzial sieht die Weltbank vor allem im Energie- und Bergbausektor, der Baubranche und der Lebensmittelproduktion. Der Kosovo verfügt über große Braunkohle-, Zink- und Bleivorkommen, doch die Minen können mangels moderner Technologie nicht entsprechend genutzt werden. Die Braunkohle könnte zur Energiegewinnung genutzt werden, der Export von Energie würde die extrem negative Handelsbilanz verbessern. Bei Investitionen in den Kosovo als Produktionsstandort könnten die Unternehmen von dem großen Arbeitskräfteangebot und den niedrigen Löhnen profitieren, lauten die Argumente für ein Engagement in der Region.