Zum Hauptinhalt springen

Kovacs, Laszlo

Von Martyna Czarnowska

Europaarchiv

Den Vorwurf des "Steuerdumpings" werden sich vor allem die neuen EU-Staaten wohl noch einige Zeit gefallen lassen müssen. Denn auch der für Steuerfragen zuständige EU-Kommissar, der Ungar Laszlo Kovacs, hält wenig von einer Harmonisierung der Steuersysteme in der Europäischen Union - auch wenn der Finanzminister seines Landes für eine schrittweise Annäherung der Sätze plädiert.


Es war ein gemeinsames Plädoyer der Finanzminister von Deutschland, Frankreich und Ungarn. In einem Brief an Steuerkommissar Laszlo Kovacs warben Hans Eichel, Herve Gaymard und Tibor Draskovics für einen breit angelegten Vergleich der unterschiedlichen Systeme zur Unternehmensbesteuerung innerhalb der EU und eine schrittweise Annäherung. "Wir sind davon überzeugt, dass dieses Ziel (eines Abbaus steuerlicher Hemmnisse für Unternehmen in der EU) nur erreicht werden kann, wenn wir die Steuersysteme der Mitgliedsstaaten miteinander vergleichen und einander annähern", schrieben sie.

Doch auch wenn eine Arbeitsgruppe mit der Ausarbeitung einer einheitlichen Bemessungsgrundlage für die Körperschaftssteuer befasst ist - von einer Harmonisierung der Steuersysteme hält der von Ungarn nominierte Kommissar wenig. Die Sätze für Körperschaftssteuern plane er nicht zu vereinheitlichen, erklärte Kovacs schon bei seiner Anhörung vor dem europäischen Parlament. Steuerwettbewerb an sich sei nämlich nichts schlechtes.

Das Ressort für Steuern und Zölle war für den 1939 in Budapest geborenen Wirtschaftswissenschafter zweite Wahl. Ursprünglich hatte ihn Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso für Energiefragen vorgesehen. Doch bei der Anhörung im Oktober des Vorjahres konnte Kovacs im zuständigen Ausschuss "die meisten Mitglieder in Bezug auf sein professionelles Wissen und seine Expertise im Energiebereich nicht zufrieden stellen". Kritik wurde auch an der kommunistischen Vergangenheit des Sozialisten laut. Barroso musste ihm ein anderes Ressort zuteilen.

Seit den 60er-Jahren engagierte sich Laszlo Kovacs in der ungarischen Arbeiterpartei, seine Erfahrungen in der Außenpolitik sind groß. Von 1994 bis 1998 und 2002 bis 2004 war er Außenminister. Er ist verheirateter Vater einer Tochter.