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Kovats wieder auf Geldsuche

Von Dieter Friedl

Wirtschaft

Wandelanleihe bietet Wette auf steigenden Aktienkurs. | Mehrheit geht für Kovats verloren. | An Tochter des GEA-Konzerns interessiert. | Wien. Der A-Tec-Konzern des österreichischen Industriellen Mirko Kovats versucht, zu frischem Kapital zu kommen, um seine Einkaufspolitik weiter finanzieren zu können. In Anbetracht einer dünnen Eigenkapitaldecke von knapp über 20 Prozent ist man nun auf die Idee verfallen, billiges Geld über eine Wandelanleihe ins Unternehmen zu lotsen.


Bereits vor knapp zwei Jahren hat man über eine Anleihe 100 Mio. Euro aufgebracht, allerdings zu relativ schlechten Konditionen (5,75 Prozent).

Jetzt hat Kovats eine nicht öffentliche Emission laufen, bei der dem Streubesitz (32 Prozent von insgesamt 6,6 Millionen Aktien) für 33 Aktien vier Stück Anleihen angeboten werden. Die Altaktionäre (Kovats 55 Prozent, Ronny Pecik und Christian Schmidt je knapp 7 Prozent) ziehen dabei nicht mit.

In Analystenkreisen geht man davon aus, dass sich kaum Aktionäre für dieses Angebot interessieren werden. Man wird daher die Anleihe anschließend über den Kapitalmarkt verkaufen - und hofft, genügend Interessenten für diese Art Optionsschein auf einen steigenden A-Tec-Kurs zu finden. Es geht um 800.000 Aktien, also 12 Prozent des Kapitals. Mit dieser Maßnahme wird natürlich die Eigenkapitalbasis verwässert. Damit wird Kovats zwar die Aktienmehrheit verlieren, was aber auf die Machtverhältnisse im Konzern kaum Auswirkungen haben wird.

Die genauen Konditionen sind noch offen, man rechnet aber, dass damit rund 130 Mio. Euro in die Kassa gespült werden.

Diesen Freitag findet die Bilanz-Pressekonferenz der A-Tec statt. Für 2006 wird dem Vernehmen nach eine Dividende von 3 Euro je Aktie gezahlt, womit die Eigenkapitalbasis über 20 Prozent gehalten werden dürfte. Sinkt das Eigenkapital unter diese Grenze, könnten die Anleihe-Gläubiger eine vorzeitige Rückzahlung verlangen. Die Entwicklung des Börsenkurses - Ausgabepreis waren 100 Euro, kurzfristig fiel der Kurs darunter, um in den vergangenen Monaten sukzessive auf über 150 Euro zu klettern - hat selbst A-Tec-Insider überrascht.

Expansionsdrang nach wie vor ungebrochen

Von den vier Teilbereichen ist der Bereich ATB (Elektromotoren) nach wie vor ein Sorgenkind, während die Umweltsparte (Austrian Energy & Environment), die stark am deutschen Markt tätig ist, durch die gute Konjunktur beim deutschen Nachbarn über volle Auftragsbücher jubeln kann.

Der Expansionsdrang von Mirko Kovats ist nach wie vor ungebrochen. Der Supercoup, beim Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm einzusteigen, ist zwar nicht gelungen, dafür hat man vor wenigen Tagen einen Vertrag zum Kauf von 100 Prozent der französischen Firma Gindre Duchavany unterzeichnet. Das Closing dafür soll in einigen Wochen erfolgen. Gindre Duchavany zählt europaweit zu den führenden Herstellern von Kupfer-Halbzeugprodukten (Stangen und Profile) sowie von Komponenten und Teilen für die Elektroindustrie. Hauptsitz des Unternehmens, das im vergangenen Jahr mit 450 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 300 Mio. Euro erwirtschaftete, ist Lyon.

Und auch in Deutschland könnte der Mischkonzern A-Tec demnächst zuschlagen: Im Gespräch ist eine Übernahme der defizitären Firma Lentjes, einer Tochter des GEA-Konzerns.