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Kovats will dem Treuhänder auf die Finger schauen

Von Kid Möchel

Wirtschaft

Finanzinvestor Penta soll nur 140 bis 150 Millionen Euro für A-Tec bieten.


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Wien. Der Abverkauf bei der insolventen A-Tec Industries AG um Mirko Kovats ist angelaufen.

Am Freitag endete die Frist für die Abgabe der ersten unverbindlicher Angebote für die liquiditätsschwache A-Tec-Tochter ATB Austria Antriebstechnik. Die Verkaufsbedingungen sollen bereits am vergangenen Wochenende verschickt worden sein.

Der tschechisch-slowakische Interessent Penta Investments, dem Kovats mit wilden Vorwürfen das Platzen des ursprünglichen Sanierungsplans vorwirft, gab nicht nur ein Angebot für ATB bei dem damit beauftragten Wirtschaftsprüfer Deloitte bzw. bei A-Tec-Treuhänder Mathias Schmidt ab, sondern auch ein neues Gesamtangebot für alle drei verbliebenen A-Tec-Divisionen: ATB, Emco und Montanwerke Brixlegg. Penta will die Gesellschaftsanteile der drei Divisionen samt Schulden übernehmen.

Das Gesamtangebot der Penta soll dem Vernehmen nach bei rund 140 bis 150 Millionen Euro liegen und somit zumindest die gesetzlich geforderte Mindestquote von 30 Prozent für die Gläubiger erfüllen. Für die ATB wollte Kovats ursprünglich 90 Millionen Euro, die chinesische Wolong soll aber nur 70 Millionen Euro geboten haben.

Der Preis ist nicht heiß

Jetzt schrumpfen die Angebote weiter, da in der Regel bei Notverkäufen ein Abschlag von zumindest rund 25 Prozent angesetzt wird.

Penta soll für ATB etwa 60 Millionen Euro bieten, abzüglich jener 13,38 Millionen Euro, die ATB aus einem Rechtsstreit ihrer Tochter Lindeteves-Jacoberg mit der BCW Electric Motors Ltd. (Dalian) in Singapur zahlen soll. Es handelt sich dabei aber um ein erstinstanzliches Urteil.

Schnelles Schnäppchen

Das neue Kaufangebot von Penta ist noch nicht mit den Gläubigerbanken akkordiert - aber es wurde bei ihnen vorgefühlt. Denn die Banken wollen dem Vernehmen nach kein langwieriges Bieterverfahren, sondern schnell Geld sehen. Das will Penta ausnützen.

"Lieber den Spatz auf der Hand als die Taube auf dem Dach", sagt Gerhard Weinhofer, Insolvenzexperte der Creditreform. Er und seine Gläubigerausschusskollegen von AKV und KSV1870 haben beim Verkauf rein gar nichts mitzureden. "Die ganze Macht liegt beim Treuhänder Schmidt", sagt Weinhofer. Mitzureden haben aber die Banken, allen voran die Raiffeisen-Landesbank (RLB) Oberösterreich. So enthalten die Kreditverträge der RLB OÖ mit dem Werkzeugmaschinenbauer Emco marktübliche "Change-of-Control"-Klauseln. Die Salzburger A-Tec-Tochter kann also nur mit Zustimmung von RLB-Boss Ludwig Scharinger verkauft werden.

Emco will heuer an die 116 Millionen Euro umsetzen, die Schulden sollen sich bei 62 Millionen Euro einpendeln. Die Verkaufsbedingungen für die A-Tec-Tochter Emco wurden kürzlich verschickt.

Auch bei den Montanwerken Brixlegg sollen die Banken eine schnelle Lösung vorziehen. Die Deutsche Bank ist mit insgesamt 120 Millionen Euro bei Brixlegg engagiert. Brixlegg hatte im Vorjahr rund 213 Millionen Euro Netto-Finanzverbindlichkeiten. Der Verkauf aller A-Tec-Divisionen sollte bis 29. Dezember 2012 über die Bühne gehen, der Treuhänder kann die Frist aber verlängern.

Kovats holt Anwalt Lansky

Indes hat sich A-Tec-Vorstand und Mehrheitseigentümer Mirko Kovats mit einem Team um Anwalt Gabriel Lansky aufmunitioniert, um dem Treuhänder beim Verkauf auf die Finger zu schauen. Denn es soll "Auffassungsunterschiede" über die rechtliche Rolle des Treuhänders und des Eigentümers Kovats geben. Ein Problem dabei ist die neue Insolvenzordnung, in der in Sachen Verwertung durch einen Treuhänder nicht alles geregelt sein soll.

"Es gibt eine Funktion Unternehmen und eine Funktion Treuhänder, und der Verwertungsauftrag des Treuhänders ist nicht ident mit der Gesamtführung des Unternehmens, das von der Eigentümerseite zu steuern ist", sagt Lansky zur "Wiener Zeitung". "Wir müssen die Grenze orten."