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Kranich nimmt Verlustbringer an Bord

Von Uwe Gepp

Analysen

(ap) Mit der nunmehr fixierten Übernahme der AUA durch die Lufthansa schreitet die seit Jahren anhaltende Konsolidierung der Branche voran. Die Kranich-Airline selbst ist schon seit Jahren auf Einkaufstour - wobei Konzern-Chef Wolfgang Mayrhuber bisher stets ein glückliches Händchen bewies. Doch mit der schwer angeschlagenen AUA holt sich der gebürtige Österreicher jetzt einen Verlustbringer an Bord - und das ausgerechnet in einer Zeit, in der die Krise die Luftfahrtindustrie voll erwischt hat und weitere Airlines wie die Alitalia zum Verkauf stehen. | Im Kampf mit den Erzrivalen Air France/KLM und British Airways, die gerade Fusionsgespräche mit der australischen Qantas startete, hat die Lufthansa vor allem mit der Übernahme der Swiss im Frühjahr 2005 gepunktet, die in Rekordzeit integriert und wieder profitabel wurde. Im Gegensatz zur Swiss habe die AUA ihre Sanierung aber noch vor sich, erklären die Analysten Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler und Per-Ola Hellgren von der LBBW.


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Die Restrukturierung der AUA kostet die Lufthansa erst einmal Geld und bindet auch Managementkapazitäten, die bei der bevorstehenden Anpassung des laufenden Geschäfts im extrem schwierigen Jahr 2009 fehlen werden. Mittelfristig sei die Akquisition aus strategischen Überlegungen aber in Ordnung, meint Pieper. Denn ein Einstieg von Air France in den deutschsprachigen Heimatmarkt der Lufthansa wäre ein hoher Preis gewesen.

Gleiches gilt für das Osteuropa-Geschäft, einer Stärke der AUA. Dort sei die Lufthansa auch ohne die Österreicher "bereits stark aufgestellt", sagt Hellgren. Doch sei die Übernahme sinnvoll, um Air France dort klein zu halten.

In ganz Europa werden die Karten in der Branche derzeit neu gemischt: British Airways verhandelt seit Monaten über eine Fusion mit der spanischen Iberia, an der auch die Lufthansa interessiert sein dürfte. Italien sucht händeringend einen Investor für die völlig marode Alitalia, auch die skandinavische SAS gilt als heißer Übernahmekandidat. Weitere mittelgroße Fluglinien dürften folgen, wenn im jetzigen Abschwung die Spreu vom Weizen getrennt wird.

Bei Alitalia steht die Lufthansa in Konkurrenz zur Air France. "Sie ist prinzipiell interessiert, aber nicht in Zugzwang", sagt Hellgren. Die Kranich-Linie hat gerade eine eigene Gesellschaft mit Sitz in Mailand gegründet, um das lukrative Norditalien-Geschäft zu stärken. Pieper schätzt die Chancen der Lufthansa bei Alitalia auf 40 zu 60 ein.

Bei der SAS, ihrem nordischen Star-Alliance-Partner, wären die Deutschen zwar wie schon bei der AUA der "logische Käufer". Doch die komplexe Struktur der Drei-Länder-Airline macht einen Einstieg nicht gerade verlockend. Bereits klar ist dagegen die Übernahme des British-Airways-Konkurrenten British Midland zum Jahreswechsel.

Außerdem verweist Hellgren darauf, dass in diesem "Monopoly-Spiel" die Ressourcen der wirtschaftlich vielleicht gesündesten Fluggesellschaft des Kontinents auch nicht unbegrenzt sind. Mayrhuber sollte genügend "Schießpulver für die ganz große Transaktion" zurücklegen, rät der Experte vor dem Hintergrund anhaltender Spekulationen, wonach selbst ein Flugriese wie British Airways in den nächsten Jahren selbst zu einem Übernahmekandidaten werden könnte.

Das hängt freilich davon ab, wie schnell die Krise auf das Airline-Geschäft durchschlagen und wie lange sie anhalten wird. "Wenn sie zwei oder drei Jahre dauert, halten das nur die Stärksten aus", sagt Hellgren. British Airways (mit dem starken Nordatlantik-Geschäft) könnte da übler erwischt werden als die Lufthansa.