Zum Hauptinhalt springen

Krankenkassen: Schmerzlos Sparen braucht viel Zeit

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

Muster-Projekt bei Sozialversicherungen. | Drei bis fünf Jahre nötig, um "optimale" Lösung aufzubauen. | Wien.Allein um ihre Kosten nicht weiter explodieren zu lassen, müssen die heimischen Krankenkassen 2010 Kürzungen von 197 Mio. Euro vornehmen. Ein Sanierungspaket sieht bis 2013 insgesamt Kostensenkungen von 1,7 Mrd. Euro vor. Dass dies kurzfristig ohne schmerzvolle Eingriffe in die Organisationsabläufe möglich ist, scheint zu bezweifeln: Ein Muster-Projekt von vier Sozialversicherungsträgern verdeutlicht, wie behutsam man bei einer einigermaßen schonenden Lösung vorgehen müsste.


2002 haben die Sozialversicherungsanstalt der Bauern und jene der gewerblichen Wirtschaft Einkauf und Gebäudemanagement gebündelt und in eine gemeinsamen Gesellschaft, die SVD Büromanagement, ausgelagert. Mittlerweile sind auch die Versicherungsanstalt für Eisenbahn und Bergbau sowie jene der öffentlich Bediensteten an Bord. Dabei hat sich der Aufgabenbereich der SVD laufend ausgeweitet: Das Unternehmen betreibt nun auch ein gemeinsames Druckzentrum und - für drei der vier Sozialversicherungen - die Computer-Infrastruktur.

Vorschläge bis März

Je nach Bereich mache das Synergiepotenzial bis zu 25 Prozent aus, so SVD-Geschäftsführer Josef Gemeinböck im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Im Schnitt betrage die Kosteneinsparung 15 Prozent oder 3 Mio. Euro pro Jahr. Dies loben auch die Sozialpartner: In ihrem Papier zur "Zukunftssicherung für die soziale Krankenversicherung" aus dem Jahr 2008 nennen sie die SVD als Vorbild-Lösung für eine Senkung der Verwaltungskosten.

Allerdings sind die Ausgliederungen in die SVD, an der alle vier Versicherungsträger mit je 25 Prozent beteiligt sind, auch relativ schmerzfrei mit langfristigen Übergangslösungen - etwa im Personalbereich - erfolgt. "Es braucht drei bis fünf Jahre, um eine optimale Dienstleistung aufzubauen", so Gemeinböck. Den Krankenkassen rät er, in Teilschritten vorzugehen. Ob auch diese genug Zeit für eine schonende Lösung haben, bleibt abzuwarten. Bis Mitte März müssen die Kassen Einsparungsvorschläge für den administrativen Bereich vorlegen.