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Krankheit als Segenspender

Von Christa Karas

Wissen

Aufarbeitung aus einem früheren oder Tugend für das nächste Leben. | Warum Esoteriker nichts von Prävention und klassischer Behandlung halten. | Wien. Die herrschende Masernepidemie hat sich nicht nur über ganz Europa ausgebreitet, sondern wurde von Touristen aus unseren Ländern auch nach Südostasien eingeschleppt. Vor allem in Kambodscha wird die Seuche Kinder treffen, die bereits jetzt massiv direkt und indirekt vom Tod durch Tuberkulose (TB) bedroht sind - die TB ist dort Hauptursache der Kindersterblichkeit. TB in all ihren Formen führt zu einer Schwächung des Immunsystems, so dass sie zahlreiche gefährliche Virus- und Tropenerkrankungen wie Malaria, Dengue-Fieber und damit einhergehende letale Schädigungen wie etwa das nephrotisierende (die Nieren betreffende) Syndrom in ihrer Gefolgschaft hat. Dazu kommen die jetzt bereits in vielen Ländern wie Russland vorkommenden, zahlreichen Fälle von kaum oder nur schwer behandelbaren TB-Superinfektionen.


Sollte man also nicht doch auch bei uns zur Impfung dagegen zurückkehren? - Nein, nicht wenn man die Dinge aus esoterischer Sicht betrachtet. Rudolf Steiner offenbarte sich in "mystischer Schau" das Prinzip der anthroposophischen Heilkunde, bei der es nicht um Vorbeugung gehen kann und weniger um die Behandlung geht als um die Wiederherstellung eines Gleichgewichtes der von ihm entdeckten "Äther-, Astral- und Ich-Leiber, die den physischen Körper in aurischen Hüllen umgeben".

Unheilbares Schicksal

Ganz ähnlich etwa dem Hinduismus ist das gegenwärtige Leben hier nur Teil eines Prozesses, bei dem sich alle Wesensseelen von Inkarnation zu Inkarnation höher zu geistigen Welten entwickeln, die den "Sehenden" (Anthroposophen) bereits zugänglich sind. Das schließt laut Steiner allerdings alle nicht weißhäutigen Menschen aus, da sie in ihrer Entwicklung eben noch nicht auf dessen Stufe angekommen, sondern noch ihren primitiven Trieben verhaftet sind. Leicht haben es aber auch die Weißen nicht: Insbesondere vor der Geburt der einzelnen Leiber im Abstand von jeweils sieben Jahren bis zum höchst entwickelten "Ich-Leib" kommt es demnach zu einschneidenden Krisen - einer Störung der Balance der Leiber -, was dann Krankheit bedeute.

Werde etwa die Entfaltung des Ätherleibes gehemmt, da dieser zu sehr "unter der Dominanz der Schwerkraft des physischen Leibes" steht, träte Schwermut auf. Ein Ätherleib, der so dominiert, dass Astral- und Ich-Leib ihn nicht mehr bändigen könnten, zerstört hingegen "wuchernd" den ganzen Organismus, es komme zur Krebsentstehung. Von daher lässt sich nicht viel dagegen machen. Steiner: "Jede Krankheit hat ihre eigenen und oft vielschichtigen Entstehungsbedingungen. Ihre Wurzeln können im vergangenen Erdenleben liegen. Das Karma wirkt aus der Vergangenheit. Gegen diese Schicksalsbestimmung kann der Arzt nicht heilen."

Psyche und Somatik

Zur Wiederherstellung der Balance gibt es allerdings spezifisch zugeordnete, zum Teil hoch potenzierte Mittel von Mineralien über Pflanzen (Mistel) bis zu tierischen Bestandteilen, wobei Bienen und Ameisen lebend zermalmt werden müssen, um ihre "Lebenskraft" in das Medikament zu übertragen. Daneben zeigt sich bei anthroposophischen Ärzten eine starke Affinität zur Homöopathie.

"Aktualisiert" wurden und werden solche Thesen laufend durch Ärzte und Apotheker ebenso wie durch Psychologen, Naturheiler, Heilpraktiker, Pädagogen, Schamanen, Journalisten und Autoren, um nur einige zu nennen. Adaptiert werden sie bevorzugt aus dem asiatischen oder südamerikanischen Raum, oft gemixt mit Bezugnahmen auf "uralte Weisheit" bis zu Sigmund Freud. Als gut integrierbar erweist sich seit Jahren auf diesem Gebiet auch die Psychosomatik.

Während die meisten Mediziner heute aus Gründen der Ersichtlichkeit von Ursache und Wirkung etwa bei Gastritis, Depressivem Syndrom oder chronischen Darmerkrankungen effizient wirksame Medikamente einsetzen, erzielen Lebenshilferatgeber wie jene von Thorwald Dethlefsen oder Rüdiger Dahlke, in denen (ausnahmslos jede) Krankheit die "Sprache der Seele", "Symbol", "Weg" oder "Chance" ist, Rekordauflagen. Leiden hat hier stets einen tieferen Sinn, den es nur zu ergründen und zu begreifen gilt.

Zu einem solchen Verständnis zu kommen gelingt allerdings nicht jedem und besonders dann nicht, wenn Kinder von Krankheiten betroffen sind. Eines von zahlreichen Beispielen: Neben anderen gravierenden Komplikationen kommt es etwa im Zug von Masernepidemien auch hierzulande zehnmal öfter, als bisher angenommen, zu SSPE (Subakute sklerotisierende Panenzephalitis).

Verantwortlichkeit

Bei SSPE handelt es sich um eine irreversible, nicht behandelbare und bis zum Tod sehr qualvolle Gehirnentzündung, die von Masernviren ausgelöst wird. Bei Kindern unter einem Jahr liegt das Risiko laut britischen, deutschen und österreichischen Experten bei einem SSPE-Fall unter 5000 Kindern nach Maserninfektion. Das tödliche Leiden tritt - ähnlich dem Post-Polio-Syndrom - erst mehrere Jahre später auf.

Keine Masern, keine SSPE: Nicht nur hier erfolgt die Ansteckung klar über nicht (ausreichend) geimpfte ältere Kinder bzw. Erwachsene. - Sollte man also Impfungen aus Verantwortungsbewusstsein nicht doch befürworten? - Der Frage ist wohl enthoben, wer an die Allmacht des Schicksals glaubt.