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Krawatten und Signale

Von Francesco Campagner

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Die Wiener Wahl ist geschlagen, und auch als geeichter TV-Beobachter bleibt man nach sechsstündigem Zusehen ein wenig ermüdet zurück. Die Sommerzeit und damit verbundene Verlängerung der Öffnungszeit der Wahllokale haben die Verlautbarung gewisser Ergebnisse erst zu mitternächtlicher Zeit möglich gemacht. Bis dahin passierte in ORF 2 und im ORF-Teletext einiges. Etwa die Bekanntgabe einer kuriosen Umfrage, die letztendlich den wesentlichsten Aspekt dieser Wahl, die Wiedererringung der Absoluten durch die SPÖ, in keinster Weise auch nur andeutete. Die Überleitung zur ersten Hochrechnung, die ein Moderator mit der Aussage, dass sich die Umfrage bestätigt hätte, machte, wirkte dann gehörig seltsam. Das Publikum im Saal begann zu toben, unglaublich, nachdem es doch das "Ergebnis" schon seit einer Stunde wusste.

Nett wurde es allerdings später. Etwa als man Josef Broukal zu schnell ins Bild brachte und dieser sich folglich seinen Anzug live zuknöpfen musste. Denn gerade solche Momente zeugen von der Lebendigkeit des Mediums. Kein Wunder, dass man plötzlich auf das wichtigste Kleidungsstück des Mannes achtete und rote Krawatten als wesentliche Aussageelemente von Moderatoren zu erahnen glaubte. Doch damit war es spätestens am Montagmorgen vorbei. Da präsentierte sich der "ZiB"-Moderator mit schwarzem Sakko und blauer Krawatte. Der Tag danach hatte begonnen.