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Kreativ durch die Krise

Von Rosa Eder-Kornfeld

Wirtschaft
Bühne frei: Im Unternehmenstheater werden firmenspezifische Themen visualisiert.
© Business Theater

Österreichs Kreativwirtschaft schlägt sich verhältnismäßig gut.


Wien. Die Fotografie ist seine Welt: Seit 25 Jahren betreibt der Wiener Stephan Huger ein Studio für Architektur-, Werbe-, Produkt- und Industriefotografie sowie Businessporträts. Er wurde schon vielfach im In- und Ausland prämiert und ist einer der vielen "Kreativen" des Landes".

Mehr als jedes zehnte Unternehmen in Österreich - das sind rund 38.400 - gehört der Kreativwirtschaft an. "Sieben von zehn Unternehmen der Kreativwirtschaft schrieben 2010/2011 positive Betriebsergebnisse, während der Anteil in der Gesamtwirtschaft nur bei rund 63 Prozent lag", machte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl am Montag angehenden Kreativen Mut. Die Branche habe sich in den schwierigen Jahren der Finanzkrise gut geschlagen. Die Umsätze sanken zwischen 2008 und 2010 zwar leicht - um ein Prozent - auf 18,2 Milliarden Euro, der Rückgang fiel jedoch deutlich geringer aus als in der Gesamtwirtschaft mit mehr als fünf Prozent minus.

"Ich habe die Krise gut überlebt", sagt Profifotograf Huger. "Wir sind ein flexibles Unternehmen. Wenn eine Sparte etwas weniger gut geht, können wir das ausgleichen." Wer sich wie er ins Fach der Fotografie begeben will, sollte das Handwerk von der Pieke auf lernen. Und bedenken: "Wir sind nicht nur Kreative, sondern auch Dienstleister", betont Huger.

"Man kann damit

gut leben"

Die Kreativität von Wolfgang Kainz geht in eine ganz andere Richtung. Der gelernte Schauspieler und Musicaldarsteller betreibt seit 15 Jahren das Business Theater Wien. "Man kann damit gut leben", sagt Kainz. Gemeinsam mit anderen professionellen Künstlern visualisiert er firmenspezifische Themen (Fusionen, Prozessveränderungen, Produkteinführungen etc.), wobei nach Möglichkeit die Belegschaft in die Aktion eingebunden wird.

Bis 2008 lief es gut, erzählt Kainz, dann folgten zwei Jahre mit starken Umsatzeinbrüchen, bis es wieder bergauf ging. "Das erste Halbjahr schaut sehr gut aus", freut er sich.

Nur bergauf ging es hingegen bis jetzt bei Michaela Hudecova-Königsdorfer. Die gebürtige Slowakin, Absolventin der Modeschule Herbststraße, eröffnete im April 2012 "Schnittbogen", Wiens erste offene Werkstatt für Textil, Mode und Design. Hudecova-Königsdorfer, die für die Realisierung ihres Projekts unter anderem eine Förderung der Austria Wirtschaftsservice GmbH in Anspruch genommen hat, freut sich über regen Zulauf. Der "Schnittbogen" habe sich als Top-Anlaufstelle für junge heimische Modedesigner etabliert. Die Werkstatt bietet auf rund 200 Quadratmetern fixe und temporäre Arbeitsplätze, Top-Equipment und Beratung für alle, die in der Modebranche Fuß fassen wollen.

5000 Euro Unterstützungfür Kooperationen

Das Wirtschaftsministerium will künftig Kooperationen zwischen der Kreativwirtschaft und den Klein- und Mittelunternehmen (KMU) anderer Branchen stärker unterstützen und stellt dafür 300 "Kreativwirtschaftsschecks" im Wert von jeweils 5000 Euro zur Verfügung. "Wir wollen damit die Nachfrage nach kreativwirtschaftlichen Leistungen weiter erhöhen und auch regional verbreitern. Gerade im ländlichen Raum gibt es noch besonders viel Potenzial", sagte Mitterlehner. Förderanträge können ab sofort bei der Austria Wirtschaftsservice gestellt werden. Im Rahmen des "evolve"-Programms stehen für kreative Branchen heuer insgesamt 7,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Wirtschaftskammer begrüßt die Förderinitiativen des Wirtschaftsministeriums. Um die Finanzkraft der vor allem durch Ein-Personen-Unternehmen (EPU) und KMU geprägten Kreativwirtschaft zu stärken, wünscht sich Wirtschaftskammer-Präsident Leitl eine rasche Umsetzung der "Gmbh Neu". Zugleich hat die Junge Wirtschaft der WKO eine Expertengruppe zu Rahmenbedingungen für alternative Finanzierungsformen und Crowdfinancing initiiert.