Zum Hauptinhalt springen

Kreative Kettenreaktion

Von Claudia Peintner

Wirtschaft

Welche Ressourcen für Innovationen notwendig sind. | Vom Vorschlags-Briefkasten bis hin zum Ideenlabor. | Wien. Wie bereits der renommierte amerikanische Ökonom Joseph Schumpeter formulierte, sind Innovationen das Sprungbrett für wirtschaftlichen Fortschritt - zum einen, um sich dadurch vom Mitbewerb abzusetzen, zum anderen, um in Krisenzeiten zu bestehen.


Der Ansatz von damals gilt in Zeiten, in denen es irgendwo auf der Welt immer einen gibt, der Material und Arbeitskraft billiger beschaffen kann, mehr denn je. "Vor allem Unternehmen in schnelllebigen Branchen müssen ständig an neuen Produkten und Dienstleistungen tüfteln", unterstreicht Sibylle Hermann vom Kölner Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation.

Dass Kreativität wichtig für den Unternehmenserfolg ist, sei mittlerweile in den Führungsetagen angekommen. In der Praxis müsse man die Innovationspioniere aber mit der Lupe suchen, sagt die Arbeitspsychologin Hermann. Fälle wie bei einer amerikanischen IT-Firma, wo Mitarbeiter jederzeit den Arbeitsplatz verlassen und Kreativpausen einlegen können, findet man im europäischen Raum selten. Auch die Tatsache, dass Firmen Sätze wie "Wir sind der Kreativität verpflichtet", ins Leitbild aufnehmen, reiche - außer vielleicht für Marketingzwecke - nicht aus. Oftmals würde der Innovationsprozess im Unternehmen nicht an den mangelnden Ideen der Mitarbeiter scheitern, sondern viel mehr an der Umsetzung.

Nicht per Knopfdruck

"Aus einer Idee eine erfolgreiche Innovation zu machen ist pure Strategie und abhängig vom unternehmensinternen Management", weiß Hermann. Ihr Ratschlag: "Jeder Betrieb muss sich fragen: Gibt es Rahmenbedingungen - wie Freiräume, geschulte Mitarbeiter, Methoden, Technologien - um aus einer Idee ein neues Produkt oder einen neuen Geschäftsprozess zu entwickeln? Sind Ressourcen wie Geld, Zeit, Mitarbeiter oder externe Partner vorhanden? Und schafft man es, die Produkte auf den Markt zu bringen und sich mit einem innovativen Image zu vermarkten?" Wer diese Kette effektiv durchläuft, zieht auch automatisch neue Kunden und kreative Mitarbeiter an Land, bekräftigt Hermann.

Die Bandbreite der Instrumente für Kreativitätsprozesse in Unternehmen ist groß: War früher häufig noch ein Holz-Briefkasten zum Sammeln von Mitarbeiterideen an einer Bürowand installiert, so schlägt man heute durchaus experimentierfreudigere Wege ein. In Österreich setzen Konzerne vor allem auf IT-basiertes Ideenmanagement - Mitarbeiterideen werden mittels Softwareprogrammen gesammelt und verarbeitet -, der zuständige Innovationsmanager ist meist in der Produktentwicklungs-Abteilung angesiedelt. "Eine weitere Möglichkeit, um neue Geschäftsprozesse und Produkte zu entwickeln, sind speziell eingerichtete Kreativitäts-Räume mit inspirierenden Farben, Düften, Möbeln", berichtet Hermann.

Raus aus Alltagstrott

Ausschlaggebend für sie ist, dass Arbeitnehmer aus dem Alltagstrott rausgeholt und in eine andere Umgebung versetzt werden. Um den kreativen Horizont zu erweitern, sollten Mitarbeiter Kreativitäts-Workshops besuchen oder an Messen und Vorträgen teilnehmen, die außerhalb des eigenen Branchenbereiches liegen.

Dass Innovationen harte Arbeit vorausgeht, hat einst auch der Erfinder Thomas Edison erkannt: "Kreativität besteht zu einem Prozent aus Inspiration und zu 99 Prozent aus Schweiß."