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Krebserkennung fünf Jahre vor Ausbruch der Krankheit

Von Richard E. Schneider

Wissen

Höchst geeignet zur Früherkennung: der "DiaPat". | Test aus Hannover identifiziert über 1500 Proteine. | Tübingen. DiaPat ist eine vom Nephrologen Hermann Haller und dem Chemiker Harald Mischak von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) entwickelte, weltweit einzigartige Proteom-Diagnose. Vom Patienten wird lediglich eine Urinprobe benötigt.


Die DiaPat-Proteomanalysen aus Patientenurin können zur Früherkennung chronischer oder diabetischer Nierenerkrankungen sowie zur Diagnose von Prostata- und Blasenkrebs beitragen. Das Verfahren besitzt mit mehr als 90 Prozent eine sehr hohe Spezifität und Sensibilität, so dass Patienten nach dem negativen Befund eines DiaPat-Tests ganz sicher sein können, keinen Prostata- oder Blasenkrebs zu haben. Das DiaPat-Testset für die Urinprobe können Gesundheitsbewusste in Deutschland beim Hausarzt erfragen oder direkt beim DiaPat-Labor in Hannover anfordern.

Bei DiaPat handelt es sich um eine patentierte chemische Laboranalysetechnik für Körperflüssigkeiten wie Urin, Blut oder Liquor auf Basis von über 1000 im Labor identifizierten Proteinen. Kürzlich konnte Mischak die Indikationen dieses bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichneten Diagnosetests auf Prostata- und Blasenkrebs erweitern. Der Patient muss, wie bei der Diagnose von Nierenerkrankungen, lediglich seinen Urin abgeben.

Proteinvergleich

Nach Ankunft der tiefgefroren konservierten Probe im DiaPat-Labor in Hannover werden daraus bis zu 1500 verschiedene Proteine identifiziert und in einem DiaPat aufgezeichnet. Nach der Trennung in der Kapillarelektrophorese (CE) werden die Proteine elektrisch geladen und im Hochvakuum des Massenspektrometers vermessen. Dies ermöglicht ihre spezielle Identifizierung und Registrierung. Binnen 60 Minuten wird online das jeweilige Proteinprofil erstellt. Durch Software-Abgleich mit einer Vielzahl gespeicherter Proteinprofile von Gesunden und Kranken liefert das DiaPat (= diagnostisches Pattern) den Befund, ob der Patient an Prostata- oder Blasenkrebs bzw. an einer diabetischen Nephropathie erkrankt ist. Die Kosten dafür variieren von 280 Euro für eine Blasenkrebs-Untersuchung bis zu 850 Euro für diabetische oder entzündliche Nephropathien.

"Die Diagnosestellung erfolgt noch vor Ausbruch der Krankheit, bietet frühe Ansatzmöglichkeiten für eine Therapie", erläutert Mischak seine Entdeckung "und es ist ein nicht-invasiver Weg, den wir für die moderne Diagnostik aufzeigen."

Bis zu fünf Jahren vor Ausbruch, so Mischak weiter, kann die Erkrankung auch ohne Manifestation klinischer Symptome aufgrund der Proteom-Analyse im Labor erkannt werden. Er empfiehlt auch ein DiaPat nach einem PSA-Test. Beim PSA-Test (Nachweis des Prostata-spezifischen Antigens), der in den USA so beliebt ist, haben nach Prof. Bernd Wulich (Uniklinik Homburg/Saar) trotz Werten über 4 bis 10 Nanogramm/ml nur 30 Prozent der getesteten Männer ein Prostata-Karzinom, 70 Prozent haben keines.

DiaPat statt Biopsie

Hier empfiehlt Mischak, zunächst eine DiaPat-Diagnostik anstatt einer Gewebe-Biopsie durchzuführen, um auch bei älteren Menschen die Risiken einer invasiven Diagnostik so niedrig wie möglich zu halten. In Tirol, berichtete Prof. Georg Bartsch, Innsbruck, auf der Medica-Messe in Düsseldorf, liege die Sterblichkeitsrate beim Prostata-Karzinom um 20 Prozent niedriger als im übrigen Österreich. Anzunehmende Ursache hierfür könnte die Tatsache sein, dass über 85 Prozent der Tiroler Männer der Altersgruppen 45 bis 75 Jahre in den vergangenen zehn Jahren an kostenlosen Vorsorge-Untersuchungen mit Feststellung des PSA-Werts teilnahmen.

Im klinischen Einsatz

An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wird das DiaPat-Verfahren bereits klinisch eingesetzt. Die Proteom-Analyse kann dabei auch aus anderen Körperflüssigkeiten wie Blut oder Liquor erfolgen. In der modernen Klinik zeigte DiaPat schließlich nach Organtransplantation zur Früherkennung von Abstoßreaktionen (Graft-versus-host-Disease, GvhD) sowie bei der chronischen Niereninsuffizienz neue, nutzbringende Einsatzmöglichkeiten auf. Neun Tage früher als bisher, so die Hämatologin Prof. Dr. Eva Weissinger, kann die lebensbedrohende Komplikation GvhD aufgrund der Proteom-Analyse erkannt werden.