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Kreditversicherer mit mehr Prämien und weniger Schäden

Von Dieter Friedl

Wirtschaft

Kreditversichern beruhigt, nicht nur Unternehmen, sondern auch die Versicherer. Einem kräftiges Plus bei den Prämien steht ein starker Rückgang bei den Schäden gegenüber. Seit Anfang des Jahres gibt es einen neuen (alten) Kreditversicherer, ein Vorstoß in die aufstrebenden Ostmärkte ist geplant.


Weniger Schäden, mehr Prämie - klingt für jeden Versicherer gut, ist aber meistens sehr schwer zu erreichen. Am österreichischen Kreditversicherungsmarkt ist dies gelungen. Die vier heimischen Kreditversicherer, Prisma, ÖKV Coface, ÖKB-Versicherungs AG und Atradius, haben dazugelernt. Die Kreditprüfung wurde strenger ausgelegt, die Schadensabwicklung gut organisiert und teilweise das Prämienniveau gehoben, sodass man heute ähnlich zu deutschen Prämiensätzen anbietet.

Konkret heißt das etwa beim Marktführer ÖKV Coface ein stolzes Prämienplus von 17% auf 49 Mio. Euro und einen Schadensatz von 46%, Prisma erreichte ein Prämienplus über 10% und einen Schadensatz von um die 40%. Prisma gehört zwar zu 51% der Österreichischen Kontrollbank, wird aber selbständig vom 49%-Eigentümer Euler Hermes geführt.

Die staatliche heimische Kontrollbank betrieb auch selbst das Kreditversicherungsgeschäft, für das kurzfristige Auslandsgeschäft mussten jedoch aus EU-Wettbewerbsgründen alle Polizzen mit Jahresende gekündigt werden. Um das Geschäft nicht ganz zu verlieren (und 25 Angestellte brotlos zu machen) wurde eine eigene Versicherungstochter, die ÖKB-Versicherungs AG (Kapital 30 Mio. Euro) gegründet. Das Prämienvolumen des vergangenen Jahres wurde neu ausgeschrieben, alle Marktteilnehmer konnten sich darum bemühen. Karolina Offterdinger von der neuen Versicherungsgesellschaft: "Wir konnten etwa 80% der alten Kunden für uns gewinnen". Rund 20% wurden von der Konkurrenz übernommen, einige dürften sich einfach nicht mehr weiterversichert haben.

Mit dem Markt mitwachsen

Wie wird sich die neue selbständige 100% ÖKB Tochter Versicherungs AG von der 51%-Tochter Prisma unterscheiden? "Bei den Prämien haben wir uns an den Markt angepasst", meint Karolina Offterdinger zur "Wiener Zeitung", was das Kundenservice betrifft sei man ganz exquisit aufgestellt, weil Vertrieb, Verwaltung, Kreditprüfung und Schadensabwicklung in einer Hand lägen. Das Kreditversicherungsgeschäft wird nicht rückversichert, die Mutter ÖKB steht dafür gerade. Derzeit hat die ÖKB Versicherungs AG versucht, möglichst viele der alten Kunden zu behalten und mit neuen Polizzen zu versehen, für das Anwerben neuer Kunden hatte man noch keine Zeit. In Zukunft möchte man aber zumindest mit dem Markt mitwachsen, es sei schließlich das Ziel, Gewinne für die Mutter zu erwirtschaften. (Im Vorjahr lag der Schadensatz unter 40%). Das Personal der Versicherungs AG wurde von der Mutter geleast und wird nach wie vor nach dem Banken-Kollektivvertrag entlohnt, wer neu angestellt wird, fällt unter den Versicherungs- KV.

Eine Zusammenarbeit mit der Prisma gibt es nicht. "Prisma ist spezialisiert auf das Inland und die alten EU-Länder, wir sind auf den anderen Märkten tätig". Würde ein Zusammengehen von Prisma und ÖKB Versicherung nicht schöne Synergieeffekte bringen? Offterdinger: "Das hätte einen extrem hohen Charme", stehe aber derzeit keinesfalls zur Diskussion.

Blickrichtung Ostgeschäft

Österreichs Kreditversicherer wollen sich in Zukunft verstärkt um die Ostmärkte kümmern. Die deutsche Euler Hermes Gruppe hat sich bereits 1997 in Ungarn niedergelassen (die österreichische Prisma hält einen Anteil von 25,1%, womit auch indirekt die ÖKB beteiligt ist), dann siedelte man sich in Polen, Tschechien und der Slowakei an. Im Jahr 2002 sollten dann die restlichen "weißen Flecken" angegangen werden, wofür Euler Hermes gemeinsam mit der Österreichischen Kontrollbank (20% Anteil) die EHSEE (Hermes Südosteuropa Holding) gründete. Sie sollte sich um den Aufbau von Kreditversicherungsaktivitäten, vorrangig in Rumänien, Bulgarien, Slowenien und Kroatien, kümmern und wurde von der österreichischen Prisma gemanagt. In Rumänien gibt es nun bereits eine entsprechende Gesellschaft (gemeinsam mit Allianz, ÖKB hält einen kleinen Anteil).

Weil Euler Hermes dann aber sein Schwergewicht auf China, Russland und Indien legte, kam man überein, die EHSEE ganz an die ÖKB zu verkaufen. Seit Anfang 2005 agiert diese Holding nun unter dem Namen OSEE (ÖKB Südosteuropa Holding) und wird weiter im Rahmen eines Dienstleistungsvertrages von Prisma geführt. Neben den vorhandenen ÖKB-Beteiligungen in Ungarn und Rumänien soll nun der Markteinstieg in Slowenien und Kroatien geprüft werden. Als potentielle Kunden möchte man österreichische und deutsche Firmen ansprechen, die in dieser Region tätig sind. Abgesichert werden sollen Lieferungen von Gütern und Dienstleistungen mit Zahlungszielen bis 24 Monaten.

Bulgarien, Bosnien und Serbien kämen künftig auch noch in Betracht. Für die Osteuropaaktivitäten ist nicht die neue Versicherungstochter, sondern die Mutter ÖKB zuständig. Österreichs Banken waren bisher im Osten äußerst erfolgreich, die Kontrollbank will sich nun auch vermehrt in diesem Bereich engagieren.