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Krieg der Filme

Von Christina Böck

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Da kann ja jeder kommen. Aber nicht mehr nach Cannes: Das französische Filmfestival hat nun Netflix ausgesperrt. Die Streamingplattform darf ihre Eigenproduktionen nicht mehr für den Wettbewerb einreichen. Im vergangenen Jahr wurde das Festival dafür kritisiert, dass zwei Netflix-Filme um die Goldene Palme mitspielen durften. Das ist jetzt vorbei -außer Netflix zeigt seine Produktionen auch in französischen Kinos. Was der Online-TV-Gigant bisher verweigert hat.

Es ist eine ehrenhafte Aktion, die Thierry Frémaux, der Präsident des Filmfestivals von Cannes, da setzt. Er will damit das "echte" Kino, Kunst, die für die Leinwand geschaffen wird, schützen und stärken. Er übersieht dabei - oder ignoriert wissentlich - einen grundlegenden Wandel in der Bewegtbildkunst. Denn gerade Unternehmen wie Netflix und Amazon sind jetzt die Garanten für gehobene Unterhaltungsfilme, die auch einmal etwas ausprobieren. Woody Allen hat beim Dreh seiner Serie für Amazon gesagt, er wurde nicht einmal gefragt, was er machen wolle. Er hatte einfach alle Möglichkeiten. Das können sich die Streamingfirmen aber auch nur leisten, weil ihr Modell eben so ist, wie es ist - ohne teure Kinostarts.

Wobei solche Filme im verkopften Wettbewerb von Cannes letztlich ohnehin keine Rolle spielen. Eher schon bei den US-Preisen. Da hat nun Steven Spielberg gemeint, dass Netflix-Filme bei den Oscars nichts verloren hätten - es seien ja bloß TV-Filme. Das ist keine Argumentation, das ist bloße Konkurrenzangst.