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Krieg der Generationen

Von Clemens Neuhold

Politik
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Der Kostendruck der Pensionen auf künftige Generationen steigt - glücklich, wer erbt.
© fotalia

Wie viel Pension bleibt der Generation Praktikum?


Wien. Jetzt hat es die Generation Praktikum amtlich. Ihr Verhältnis zur "Generation Frühpension" ist - auf ganz unpersönlicher Ebene natürlich - zutiefst zerrüttet. Die deutsche Bertelsmann-Stiftung hat in 29 Industrieländern geprüft, wie es mit der Gerechtigkeit zwischen den Generationen aussieht, und reiht Österreich auf Platz 20. Vergleicht man rein die Ausgaben für Junge und Ältere liegt die Alpenrepublik noch schlechter auf Platz 21. Fazit: "Politik wird auf Kosten der Jungen gemacht". Hauptgrund für das "starke Ungleichgewicht": die Ausgaben für die Pensionen.

Papa auf den Schultern

Da kommen die neuesten Zahlen aus dem Finanzministerium wie eine Hiobsbotschaft daher. Im Jahr 2035 wird Österreich jährlich um acht Milliarden Euro mehr für Pensionen ausgeben als im Jahr 2011. Nicht "die" Österreicher; sondern jene Österreicher, die jetzt arbeiten. Diese Jüngeren, die schwerer einen Job finden als ihre Eltern und jungen Großeltern, jedoch bis mindestens 65 Jahre arbeiten werden müssen, zahlen für jene, die zwischen 55 und 58 Jahren in Pension gingen und auch künftig noch früher in den Ruhestand übergleiten.

Finanzministerin Maria Fekter spricht von einem "mittleren Risiko bei den Alterskosten". Fragt sich: Was bleibt der jüngeren Generation im Alter übrig?

Die "Wiener Zeitung" hat mehrere Pensionsexperten befragt und kann Teilentwarnung geben. Durch die Pensionsreform 2003 ist das Pensionssystem "stabil" oder zumindest "sanierbar". Das heißt: Auch eine 25-Jährige, die nicht privat vorsorgt oder erbt, muss im Alter nicht unter der Brücke schlafen, sondern bekommt eine staatliche Pension. Doch wie stattlich wird diese noch ausfallen? Ein Minus von durchschnittlich 30 Prozent im Vergleich zu vergangenen Generationen sagen die einen; hängt ganz davon ab, wie das Arbeitsleben verlaufen ist, sagen die anderen.

"Junge, die einen vernünftigen Job mit ordentlicher Bezahlung finden, brauchen sich über ihren Lebensstandard keine Sorgen machen", sagt Christine Mayrhuber vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Für die heutigen Pensionisten galten jene Jahre mit dem höchsten Einkommen als Grundlage für die Pensionsberechnung. Seit der Pensionsreform steigt die Zahl der Jahre aber immer stärker an; ab 2028 wird mehr oder weniger das ganze Arbeitsleben herangezogen (siehe Pensionskonto). Und wer hier weiße Flecken aufweist oder viele Jahre mit niedrigem Einkommen gesammelt hat, rutscht im Vergleich zur älteren Generation sehr deutlich ab.

Alles hängt an der Arbeit

Doch der Arbeitsmarkt geht genau in diese Richtung. Schon jetzt arbeiten 50 Prozent der Frauen Teilzeit, die Extrarunden über Praktika bis zum geregelten Job werden länger, die Brüche in der Erwerbsbiografie größer - das alles erschwert das Sammeln wertvoller Pensionsjahre.

Einschub: Die steigende Erwerbsquote macht die Generationenbilanz weniger düster: In traditionellen Haushalten ernährte früher ein Mann die Familie; im traditionellen Haushalt 2013 arbeiten beide. Das hat auch später Auswirkungen aufs Haushaltseinkommen. Außerdem werden im neuen System Kinderersatzzeiten deutlich besser angerechnet.

Was die große Entwicklung betrifft, ist für alle Experten eines klar: Wie gerecht das System künftig ist, hängt vom Arbeitsmarkt ab, und zwar davon, ob Junge weiterhin gute Jobs finden und Pensionsjahre sammeln können. Und davon, ob Ältere wirklich wie vorgesehen nicht mehr mit 58, sondern bald mit 65 in Pension gehen. Wenn nicht, explodieren die Pensionskosten; die Lebenserwartung steigt pro Jahr um zwei bis drei Monate.

Auf dem Weg Richtung eines höheren Pensionsalters spielen die Firmen also eine entscheidende Rolle. Vergleicht man die Eingliederung und Wertschätzung Älterer im Betrieb, liegt die heimische Wirtschaft jedoch ebenso weit hinten wie in der Frage der Generationengerechtigkeit. "Skandinavien ist uns hier 20 Jahre voraus", sagt Mayrhuber.

Pensionskonto

(pech) Ab 2014 können alle, die ab 1955 geboren sind, ihren Pensionsanspruch auf ihrem Pensionskonto nachlesen. (Alle, die ab 2005 zu arbeiten begonnen haben, haben bereits ein Pensionskonto.) Alle Ansprüche werden berechnet und dem Konto gutgeschrieben, ab 2014 werden die jährlichen Guthaben addiert.

Insgesamt gibt es 4,9 Millionen Pensionskonten der Pensionsversicherungsanstalt (nach ASVG, Allgemeines Sozialversicherungsgesetz). 2,4 Millionen Konten überprüft die PVA derzeit. Zwar hat die PVA alle Daten seit 1972 gespeichert, dennoch könnte es sein, dass etwas vergessen wurde. Die ASVG-Versicherten sollten sich daher Zeit nehmen, um ihre Versicherungszeiten zu überprüfen und eventuell zu überlegen, ob sie Schul- oder Studienzeiten nachkaufen wollen. Ob das Sinn macht, kann man sich bei der PVA berechnen lassen, angeben sollte man diese. Ganz positiv wirkt sich die Anrechnung der Kindererziehungszeiten (4 Jahre pro Kind, auch wenn man nur 2 Jahre in Karenz ist) aus. Der Durchrechnungszeitraum beträgt derzeit 25 Beitragsjahre und steigt pro Jahr um ein Jahr an.

Die PVA rechnet damit, dass von den angeschriebenen 2,4 Millionen Versicherten 80 Prozent das Kuvert zurückschicken. Bis Ende 2016 können bei der PVA noch Nachnominierungen erfolgen - das Pensionskonto wird dann neu aufgerollt. Ab 2017 gibt es Ergänzungsgutschriften.