Zum Hauptinhalt springen

Krieg der Spione: Thriller in Istanbul

Von Susanne Güsten

Politik

Iranischer Ex-Vizeminister verschwunden. | Istanbul. (apa) Es ist der Stoff, aus dem Agentenfilme sind.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 17 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Der ehemalige iranische Vize-Verteidigungsminister Alireza Asghari traf Anfang Februar aus der syrischen Hauptstadt Damaskus kommend in der türkischen Metropole Istanbul ein. In einem Luxushotel mit Bosporus-Blick hatten zwei Unbekannte ein Zimmer für ihn reserviert. Die beiden Männer, bei denen es sich um Ausländer gehandelt haben soll, bezahlten Asgharis Hotelrechnung im Voraus und in bar. Am Tag darauf meldete sich Asghari in dem Hotel. Anschließend verschwand er und wurde seitdem nicht mehr gesehen.

Entführung durch Mossad oder CIA?

Die iranische Regierung vermutet, Asghari sei entführt worden, womöglich vom amerikanischen Geheimdienst CIA. Israelische Medien spekulieren unterdessen über eine Entführung Asgharis durch israelische Agenten: Der Iraner wisse sehr viel über das umstrittene Atomprogramm seines Landes Bescheid. Aus Sorge, der Iran könne Vergeltung üben, hat Israel bereits die Sicherheitsvorkehrungen an seinen Auslandsvertretungen erhöht.

Was Asghari in der Türkei wollte, ist ebenso wenig bekannt wie sein derzeitiger Aufenthaltsort. Laut iranischen Angaben handelte es sich um einen "privaten Besuch" Asgharis am Bosporus. Kontakte zu türkischen Stellen hatte der General offenbar nicht.

Der iranische General soll Anfang des Jahres an der Entführung und Ermordung von fünf amerikanischen Soldaten im Irak beteiligt gewesen sein. Die US-Geheimdienste hätten sich daraufhin an die Fährte Asgharis geheftet, berichtete die türkische Zeitung "Vatan". Vielleicht war aber auch alles ganz anders.

Andere Medien vermuten, der frühere Vizeminister sei mit Hilfe westlicher Geheimdienste geflüchtet. Asghari habe sich als Gegner des Regimes in Teheran entpuppt, meldete die Zeitung "Milliyet". Unbestätigten Berichten zufolge will Asghari nun in den USA leben. Die Zeitung "Hürriyet" sieht die Türkei bereits als Bühne für die Auseinandersetzung zwischen dem Iran und den USA: Auf türkischem Boden spiele sich ein "Krieg der Spione" ab.