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Krieg hat zwei Generationen um Schulbildung gebracht

Von Farshid Motahari

Politik

Teheran - Mehr als zwei Jahrzehnte ist es her, dass junge Menschen in Afghanistan regulär zur Schule gehen konnten. Der Einmarsch der sowjetischen Armee Ende 1979 hat zwei Generationen um die notwendige Grundausbildung gebracht. "Ich hatte keine richtige Schulbildung, meine Kinder werden keine haben - das ist unser Schicksal", sagt die 26-jährige Mira Khan, eine afghanische Frau, die in den Iran geflohen ist.


Die Sowjets und die von ihnen gestützte marxistische Regierung in Kabul betrieben in den 80er Jahren zwar Schulen. Allerdings boykottierten die meisten Menschen die Bildungseinrichtungen der "Ungläubigen" und besuchten stattdessen illegale Kurse, die die antisowjetischen Mudschaheddin organisierten. Hauptziel dieser Kurse war es, die Afghanen mit Hilfe eines oberflächlichen Islam- und Koranunterrichts gegen die Sowjets und die kommunistische Führung im Land aufzustacheln. Dabei wurde weder klassisches noch wirklich ausreichendes anspruchsvolles religiöses Wissen vermittelt.

Während der Zeit der sowjetischen Besatzung flohen mehr als zwei Millionen Afghanen in den Iran und ebenso viele nach Pakistan. Zumindest im Iran durften die afghanischen Kinder nicht die Schulbank drücken, weil sie als illegal galten. Dabei hätten sie dem Unterricht ohne große Probleme folgen können, da das im Iran gesprochene Farsi dem afghanischen Dari sehr ähnlich ist. "Wahrscheinlich werden meine Kinder entweder Hilfsarbeiter oder Schmuggler, wie so viele ihrer Landsleute", sagt Mira Khan und fügt hinzu: "Ich frage mich, wer auf diese Weise unser Land wieder aufbauen soll."

Um dieser Misere ein Ende zu bereiten, haben einige iranische und afghanische Frauen begonnen, im Iran Grundschulen aufzubauen, in denen afghanische Kinder wenigstens Lesen und Schreiben lernen sollen. Eine dieser Schulen liegt im Teheraner Vorort Qaleh Hassan Khan. "Der Mangel an Bildung ist das Hauptproblem in Afghanistan. Mit nur einem Minimum an kulturellem Hintergrund wäre das Land niemals in die derzeitige Misere geraten", meint einer der Lehrer in Qaleh Hassan Khan.