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Krieg und Frieden

Von Stefanie Holzer

Kommentare

Behauptungen meinen häufig das exakte Gegenteil von dem, was sie zu sagen scheinen. Diese Feststellung eines klugen Menschen fiel mir ein, als im Zuge der Berichterstattung über den Terrorangriff in den USA ein Friedensforscher im Ö1-,,Mittagsjournal" zu Wort kam. Definitionsgemäß beschäftigt sich ein Friedensforscher natürlich nicht wirklich mit dem Frieden, sondern mit dem Gegenteil davon. Der Krieg ist sein Thema; dementsprechend kriegerisch und unbegreiflich war denn auch Johan Galtungs Sicht auf die Welt.

Er beließ es nicht dabei, sorgenvoll darüber sein Haupt zu wiegen, dass durch Terror wohl nicht der Weltfriede gemehrt werde, sondern er machte seiner subjektiv tiefempfundenen moralischen Überwertigkeit auf penetrante und unannehmbare Weise Luft: Er warnte vor der Aggressivität, die den Amerikanern wesenhaft innewohne. Das nennt man wohl Chuzpe.

Unverständlich in der derzeitigen Berichterstattung ist auch die punktuell auftretende Unsicherheit, ob in Afghanistan nun eine "Regierung" oder vielmehr ein "Regime" die Macht innehabe. Die Rede ist von einem Land, das Kulturdenkmäler zerbombt, die eigene, insbesondere weibliche, Bevölkerung aufs Grausamste unterdrückt sowie inländische und ausländische Mitarbeiter von Hilfsorganisationen wegen des Vorwurfs der Missionierung mit der Todesstrafe bedroht. Wenigstens blauäugig ist, wer hier von "der Mehrheit der Paschtunen" spricht, die für die Taliban sei. In Diktaturen haben Parameter der Demokratie keine Geltung.