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Kriegsheld macht Pentagon zu schaffen

Von Rainer Mayerhofer

Politik
Alan G. Rogers: Foto: Pentagon

Alan G. Rogers war 4000. Opfer des Irak-Kriegs und schwul. | Wien/Washington. Major Alan G. Rogers, ein 40-jähriger Afroamerikaner, starb am 27. Jänner bei einer Minenexplosion in Bagdad, als er sich schützend vor zwei seiner Männer stellte. Er war das 4000. US-Opfer im Irak-Krieg. Als seine sterblichen Überreste am 14. März auf dem Heldenfriedhof von Arlington beigesetzt wurden, erschienen in mehreren Publikationen Nachrufe, unter anderem in der "Washington Post". Darin wird auf seine brillante Laufbahn in der US-Armee hingewiesen. Dem Sohn einfacher Leute, der erst vor acht Jahren, als beide Eltern binnen zwei Wochen verstarben, erfuhr, dass er eigentlich ein Adoptivkind war, stand laut seinen Vorgesetzten noch eine große Karriere in der US-Armee bevor. In einem Nachruf hieß es, er sei geschieden gewesen, was nachweislich falsch war. Die "Washington Post" berichtete, dass seine Freunde nach der Trauerfeier, an der 200 Menschen teilgenommen hatten, zusammengekommen seien, um Erinnerungen auszutauschen. Kein Wort war in den Nachrufen davon zu lesen, dass Rogers einer Veteranenorganisation angehört hatte, die die offizielle Politik der Armee gegenüber Homosexuellen bekämpft, die unter dem Schlagwort "Dont Ask, Dont Tell" (Frag nichts, sag nichts) Armeeangehörigen ein Outing untersagt, wenn man nicht eine unehrenhafte Entlassung aus der Armee - mit Pensionsverlust - riskieren will.


Als einige Freunde Rogers die "Washington Post" mit E-mails bombardierten, reagierte die Ombudsfrau des Blattes, Deborah Howell, am 30. März mit einem umfassenden Artikel, in dem sie letzten Endes zugab, die Geschichte über Rogers wäre reichhaltiger gewesen, wenn man auch über die verschwiegenen Aspekte geschrieben hätte.

Das taten Freunde des Gefallenen in einem Beitrag für Wikipedia, mussten aber bereits zwei Tage später feststellen, dass alle biographischen Daten, die auf Rogers Homosexualität hinwiesen, von einem Unbekannten aus dem Artikel gelöscht worden waren. Recherchen wiesen darauf hin, dass der Zensor aus dem Kreis des Pentagons stammte.

In einer achtseitigen Reportage berichtet die neueste Ausgabe von "The New Yorker" unter dem Titel "Das Vermächtnis eines Soldaten" ausführlich über den Fall Rogers.