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Krimi-Dramaturgie

Von David Axmann

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Manch heutiges Erscheinungsbild ist uralten Strukturmustern nachgezeichnet. Das klassische Drama setzt sich zusammen aus fünf Akten, von denen jeder eine festgelegte, den Verlauf des Stückes bestimmende Funktion hat. Der theatralische Schicksalsweg beginnt mit der Exposition und führt über die ansteigende, plötzlich die Richtung ändernde und dann abfallende Handlung schließlich zur Katastrophe.

Aufgrund langjähriger Studien bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass es eine Münchner Krimi-Dramaturgie gibt, welche dem klassischen Vorbild verpflichtet ist. Jeder in Bayerns Metropole spielende TV-Krimi - sei´s "Der Alte", "Siska" oder "Soko 5113" - hängt an fünf Grund- oder Schlüsselsätzen, um die herum die meist wenig originelle und noch minder packende Story angelegt ist. 1. Polizeiarzt zum Kommissar: "Todeszeitpunkt zwischen 21 und 23 Uhr. Näheres wie üblich nach der Autopsie." 2. Kommissar zur schluchzenden Freundin des Toten: "Können Sie schon wieder reden?" 3. Verdächtiger, auffahrend, zum Kommissar: "Soll das heißen, Sie fragen, ob ich ein Alibi habe?" 4. Kommissar zu einem Nebenverdächtigen: "Kommen Sie morgen Nachmittag ins Präsidium." 5. Kommissar zum Hauptverdächtigen: "Jetzt wird es eng für Sie. Wollen Sie nicht Ihren Anwalt anrufen?" Unter diesen Umständen nimmt es nicht wunder, dass jeder Täter spätestens nach 55 Minuten ein volles Geständnis ablegt.