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Krise: Anfang vom Ende?

Von Peter Muzik

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Gleich mehrere Meldungen haben diese Woche den Nachweis geliefert, dass die Österreicher neuerdings massiv sparen: Die Umsätze im Elektrohandel sind ebenso rückläufig wie in der heimischen Möbelbranche - mit der Anschaffung eines Flachbildfernsehers oder eines neuen Schlafzimmers wird derzeit also zugewartet. Auch Hotels und Restaurants spüren deutliche Rückgänge, weil viele Gäste offenbar jeden Euro zweimal umdrehen.


Im Sommerurlaub werden tendenziell günstigere Quartiere bevorzugt, was Ferienwohnungen oder Privatzimmern zu Gute kommt. Autofahrer lassen ihren Wagen zusehends daheim stehen und/oder streichen längere Touren, sodass auf den Autobahnen bereits weniger Verkehr zu verzeichnen ist. Und getankt wird zumeist am Nachmittag oder Abend, weil es dann billiger ist - übrigens spüren Tankwarte die Sparwelle sogar beim Trinkgeld.

Die große Krise hat jedenfalls mit einiger Verspätung auch die Konsumenten eingeholt. Während bislang medial verbreitete Grauslichkeiten nur relativ wenige direkt tangiert haben - beispielsweise Kurzarbeit oder Firmenpleiten -, fühlen sich plötzlich relativ viele Menschen persönlich betroffen: Laut kürzlich veröffentlichter Studie haben immerhin vier von zehn Bürgern im Zuge der wirtschaftlichen Turbulenzen Geld verloren, etwa massive Kursverluste bei Aktieninvestments. Und nicht weniger als 60 Prozent der Befragten gaben an, dass jemand aus ihrer Familie oder dem Freundes- oder Bekanntenkreis seinen Job verloren hat.

Just zu dem Zeitpunkt, an dem sich die generelle Stimmung dem Nullpunkt zu nähern scheint, erreichen uns durchaus positive Nachrichten: In Deutschland und Frankreich beispielsweise schaut die Konjunktur schon besser aus, ebenso in Japan. So manches deutet darauf hin, dass im gesamten OECD-Raum die Talsohle allmählich überwunden sein könnte. Wenn jetzt manche Zeitungen gleich mit Schlagzeilen wie "Ab jetzt gehts wieder bergauf" aufwarten, mag das vielleicht als freiwilliger Motivationsbeitrag für deprimierte Zeitgenossen durchgehen - vorbei ist diese Krise jedenfalls noch nicht. Auch wenn ihre Folgen noch Jahre spürbar sein werden, etwa am Arbeitsmarkt oder bei den Staatsschulden, kann man sich auf Wunsch mental bereits auf das Leben nach dem großen Crash einstellen - und dabei schadet eine Portion Zweckoptimismus wohl kaum.. .