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Krise in Westafrika weitet sich aus

Von Antje Passenheim

Politik

Die blutigen Unruhen im westafrikanischen Staat Côte d`Ivoire weiten sich zu einer regionalen Krise aus. Nach der Hatz auf Zuwanderer aus Burkina Faso wird das Verhältnis zum nördlichen Nachbarn immer angespannter. Die Ivorer beschuldigen die Burkinabés der Infiltration und des Terrorismus. Mit dem Chaos in der drittgrößten Wirtschaftsmacht Afrikas unterhalb der Sahara fürchten angrenzende Staaten bereits ökonomische Folgen. So hat der Konflikt beispielsweise den Kakaopreis auf ein Rekordhoch getrieben.


Die Krise des weltgrößten Kakaoproduzenten hob den Preis für die Bohnen um zwei Prozent auf 2.157 US-Dollar (2.208 Euro) pro Tonne und damit auf den Höchststand seit September 1986. Rund 40 Prozent der Welternte stammen aus der Elfenbeinküste. Ihre Pflücker sind großteils Billig- arbeiter aus Burkina Faso.

Jagd auf Gastarbeiter

Rund drei Millionen Burkinabés leben bis heute in dem Staat, der als einst stabilstes Land der Region auch zur Zufluchtsstätte für Tausende von Flüchtlingen der umliegenden Bürgerkriegsländer wurde. "Nun brennt die Côte d`Ivoire selbst, und die Ausländer werden zu Sündenböcken", sagt ein westlicher Beobachter in der Regierungsstadt Abidjan. Dort machen Sicherheitskräfte und Bevölkerung seit Tagen Jagd auf Zuwanderer. Sie brennen ihre Hütten nieder und haben das Konsulat von Burkina Faso gestürmt. An der Grenze zum Nachbarland stauen sich die Menschen, die, bepackt mit allem, was sie tragen können, in Todesangst zurück in ihre Heimat strömen.

Der Parlamentssprecher der Elfenbeinküste, Mamadou Koulibaly, goss noch Öl ins Feuer: "Unser Land wird von Milizen angegriffen, von professionellen Terroristen, die aus einem Nachbarland rekrutiert wurden, um zu töten und unseren Staat zu destabilisieren", tönte er im Staatsfernsehen. Niemand zweifelte daran, dass sein Fingerzeig Burkina Faso galt. Das Verhältnis der beiden ehemaligen französischen Kolonien in Westafrika ist seit langem getrübt. Mit zunehmender Rezession und steigender Armut wuchs die Stimmung gegen die Gastarbeiter aus Burkina Faso. Sie wurde auch in den politischen und ethnischen Rivalitäten zwischen dem moslemischen Norden und dem Einflussgebiet von Präsident Laurent Gbagbo im Süden des Landes instrumentalisiert. Der aus dem Norden stammende Oppositionsführer Alassane Ouattara wurde vor zwei Jahren von der Präsidentschaftswahl ausgeschlossen, weil seine Eltern aus Burkina Faso stammen.

Die Elfenbeinküste beschuldigt schon seit dem gewaltsamen Sturz ihres ehemaligen Präsidenten Henri Konan-Bedie im Dezember 1999 den Nachbarn Burkina Faso, militante Dissidenten zu beherbergen. Die Regierung von Präsident Blaise Compaore protestierte in einem Brief scharf gegen die Vorwürfe. Und nach der Erstürmung des Konsulats am Mittwoch erklärte ein Vertreter seiner Regierung in Ouagadougou, er hoffe, es komme nicht zu einem ernsthaften Konflikt.

Schon jetzt drohen die Unruhen, die Wirtschaft der gesamten Region zu destabilisieren. Côte d`Ivoire fährt nicht nur mit Ghana, Nigeria und Kamerun zusammen über zwei Drittel der jährlichen Weltkakaoernte ein. Ihr Ruf als stabiles Land lockte auch zahlreiche westliche Investoren in die Region. Abidjan, das auch gern als das Paris Westafrikas bezeichnet wird, gilt als Motor der westafrikanischen Währung CFA.

Nigeria, Ghana greifen ein

Unterdessen bestätigte die nigerianische Armee, dass sie bereits am Mittwoch drei Kampfflugzeuge nach Côte d`Ivoire geschickt hatte. Truppen folgten am Donnerstag, auch Ghana schickte ein Kontingent Soldaten. Bei den seit über einer Woche andauernden Kämpfen wurden vermutlich hunderte Menschen getötet.