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Krise scheint überwunden

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Die österreichische Stromlösung muss in ihren Grundzügen bis Freitag fertig sein. Bis dahin müssen die Verhandler noch manche Klippe geschickt umschiffen.


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Die Verhandlungen zwischen Verbund und den EnergieAllianz-Partnern über die "Energy Austria" sind vergangene Woche mächtig ins Stocken geraten, sie drohten gar zu scheitern. Doch aus Verhandlerkreisen hört man nun zuversichtlichere Töne: Die Krise sei überwunden, und am Mittwoch finden noch Gespräche über die sogenannte "Corporate Governance" (wer besetzt welchen Posten) statt, danach müsste der Vorvertrag fixiert werden. Gerade dieser Punkt, also die Besetzung der Organe, hätte beinahe zu einer unüberwindbaren Hürde werden können. Bei den Gesellschaftsformen der beiden neuen Gesellschaften zeichnet sich ein Kompromiss ab: Die Strom-Handelsgesellschaft, eine Fusion der Verbund-Tochter APT und des Allianzunternehmens e&t, wird eine AG. Der Großkundenvertrieb wird als GesmbH - die Geschäftsführer müssen hier Weisungen befolgen, insofern ist diese Rechtsform besser steuerbar - gemanagt. Damit konnten sich sowohl Verbund, dieser präferierte die AG, als auch EnergieAllianz (EA) ihre Interessen durchsetzen.

Die Machtverteilung zwischen den Allianz-Partnern erfolgt gemäß Kräfteverhältnis in der EA. Doch gerade die Oberösterreicher (Energie AG) sind mit der bisherigen Aufteilung nicht glücklich. Sie produzieren nahezu 29% der EA-Energie, dürfen aber nur zu 17% mitentscheiden. Ihre Kritik: Bewag/Begas würden keine Kilowattstunde beitragen, aber 10% der Stimmrechte halten. Noch dazu lenke die EVN wesentlich die Geschicke der Bewag. Die Linz AG ist zwar EA-Partner, wurde aber zu Beginn gar nicht ins Kernteam der Verhandler aufgenommen. Erst nach heftigen Protesten der Linzer durften diese mitverhandeln. Sie agieren mittlerweile Seite an Seite mit der Energie AG.

Doch nicht nur innerhalb der EA gibt es Machtkämpfe, auch im Verbund steht noch ein Verteilungskampf bevor. Verbund-Chef Hans Haider wurde vergangene Woche zum neuen Präsidenten von EURELECTRIC, der europäischen Interessensvertretung der Elektrizitätswirtschaft, gewählt. Damit scheint sich auch ein langsames Ende seiner Verbund-Karriere anzubahnen. Denn er war nur am Rande in die Verhandlungen zur Stromlösung eingebunden. Verhandelt haben seine Co-Vorstände Johann Sereinig und Michael Pistauer. Beide haben am neuen Konstrukt engagiert mitgearbeitet, und Sereinig bezeichnet die neue Handelsgesellschaft gar als sein "Baby". Haider hingegen gilt als Stromlösungsskeptiker.